Die Standardtherapie für Schulkinder mit ADHD (Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstoerung) ist in den USA und zunehmend auch in europäischen Staaten die Gabe von Medikamenten wie Ritalin – um nur das bekannteste zu nennen. Bisher ist aber wenig darüber bekannt, ob der Inhaltsstoff von Ritalin, Methylphenidat, auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wirkt. In der Juniausgabe der Zeitschrift “Experimental and Clinical Psychopharmacology”, die vom amerikanischen Psychologenverband herausgegeben wird, werden nun erstmals Ergebnisse eines Forschungsprojekts über die Effizienz einer Ritalin-Behandlung von Jugendlichen in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Interventionen veröffentlicht. Demnach verbesserten sich die schulischen Leistungen bei etwa 80 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden Jugendlichen.
Das Schwergewicht der ADHD-Forschung lag bisher bei Verhaltensproblemen, wie aggressives und impulsives Verhalten, Stören im Unterricht und Bewegungsunruhe. Je älter die Kinder werden, desto belastender werden allerdings häufig Symptome wie Konzentrationsprobleme, Tagträumerei und daraus resultierend Schwierigkeiten Hausaufgaben und Schulprojekte zielgerichtet durchzuziehen. Die US-Wissenschaftler Steven Evans, William Pelham und Bradley Smith von der Universität Pittsburgh bezogen daher die Lernleistung der Jugendlichen in ihre Studienergebnisse mit ein. Insgesamt nahmen 45 Jugendliche an der 8 Wochen dauernden Untersuchung teil. Jeder Teilnehmer bekam in Zufallsreihenfolge jeden Tag eine andere Dosis (25 mg, 50 mg und 75 mg, verteilt auf drei Einzelgaben) des Medikaments Methylphenidat bzw. ein Placebo. Außerdem nahmen die Jugendlichen täglich an diversen Verhaltensübungen teil, um mehr Selbstkontrolle zu lernen.
Die Ergebnisse zeigten, daß zwei Drittel der Teenager deutliche akademische Leistungsverbesserungen an den Tagen zeigten, an denen sie eine 25 mg Dosis Methylphenidat erhalten hatten im Vergleich zu den Placebotagen. Die Studie zeigte aber auch, daß eine Dosiserhöhung nicht mit noch größerer Leistungs- und Verhaltensverbesserung gleichzusetzen ist. Im Gegenteil, manche Jugendlichen reagierten auf die Höchst-Tagesdosis von 75mg Ritalin sogar mit einer Leistungsverschlechterung. Von dem Drittel der Jugendlichen, die auf die 25 mg Dosis überhaupt nicht angesprochen hatten, zeigte nur etwa die Hälfte Leistungsverbesserungen bei einer Verdoppelung auf 50 mg.
William Pelham weist in einer Presseaussendung über den Forschungsbericht ausdrücklich auf die Wichtigkeit dieses Ergebnisses hin. Er meint, es gäbe in den USA etliche Psychiater, die glaubten, man müsse nur die Dosis erhöhen um größere Erfolge zu erzielen. Seine in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen durchgeführte Studie hätte nun gezeigt, daß diese Annahme falsch sei und daher sollte in Anbetracht der Tatsache, daß nur wenig über Langzeitfolgen bekannt sei, die Gesamtmenge an psychoaktiven Medikamenten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens einnimmt, so gering wie möglich sein.
Die Original-Presseaussendung ist nachzulesen unter www.apa.org. Der komplette Text des Artikels wird ab 13. Juni unter www.apa.org veröffentlicht.


