Tipps, wie man eine persönliche Katastrophe besser verarbeitet

Written on Samstag, Mai 31st, 2003 at 01:06 by christiane

Jeden kann es treffen – plötzlich und aus heiterem Himmel: ein Unfall, der Tod eines nahen Angehörigen, die Diagnose einer schweren Krankheit, eine Vergewaltigung, das Haus brennt ab….Persönliche Katastrophen, die dem Betroffenen den Boden unter den Füßen wegzureißen drohen. Die ersten typischen Reaktionen sind Schock und Verleugnung, d.h. man kann im ersten Augenblick das Ausmaß der noch garnicht begreifen.

Sobald der lähmende Anfangsschock nachläßt, kommen andere Reaktionen, die individuell sehr unterschiedlich sein können:

* Plötzliche Stimmungswechsel, leicht weinen müssen, deprimiert, ängstlich oder nervös sein.
* Die Gedanken kreisen fortwährend um das Ereignis oder es wird wiederholt in der Erinnerung oder im Traum durcherlebt. Erinnerungsbruchstücke verdrängen andere Gedanken, hindern daran Alltagsanforderungen zu erfüllen, erhöhen den Herzschlag und führen zu Schweißausbrüchen.
* Konzentrationsprobleme, Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, Schlafprobleme und Appetitlosigkeit.
* Die Beziehungen zu anderen Menschen leiden: Man reagiert häufiger gereizt und gerät in Streit.
* Körperliche Reaktionen können den emotionalen Streß begleiten: Kopfschmerzen, Übelkeit oder Brustschmerzen. Möglicherweise verschlechtern sich auch bestehende Krankheiten.

Jeder, der eine persönliche Katastrophe verarbeiten muß, sollte sich vor Augen halten, daß es keine Standardreaktion darauf gibt und kein allgemein gültiges Muster, wie man damit fertig wird. Einige Menschen reagieren sofort nach dem Erleben einer traumatischen Streßsituation, andere erst Wochen oder gar Monate später. Einige kommen relativ rasch darüber hinweg, andere leiden sehr lang.

Wie kann ich mir selbst helfen?

Es gibt einige Möglichkeiten sich selbst zu unterstützen, um das emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen:

* sich selbst Heilungszeit zugestehen. Erlauben Sie sich zu trauern und seien Sie geduldig: Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck wieder funktionieren zu müssen.
* Nehmen sie Unterstützung von anderen an. Falls ihre ganze Familie von der Katastrophe betroffen war, müssen sie damit rechnen, daß dieses “Unterstützungssystem” geschwächt ist und selbst Hilfe braucht. Wenden Sie sich dann an Freunde und Arbeitskollegen. Reden Sie über die Katastrophe oder führen sie ein Tagebuch.
* Für einige typische Traumasituationen gibt es Selbsthilfegruppen, z. B. bei Vergewaltigung oder einer Krebsdiagnose. Auch hier finden Sie emotionale Unterstützung und die Möglichkeit, sich Belastendes von der Seele zu sprechen.
* Ihr Körper kann durch emotionalen Stress geschwächt und krankheitsanfällig werden. Legen Sie daher besonderen Wert auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf und Bewegung.
* Halten Sie Ihren bisherigen Tagesrhythmus bei, planen sie aber Zeit für Hobbies oder Treffen mit Freunden ein. Tun Sie sich selbst Gutes.
* Die Genesungszeit von einer Katastrophe ist keine Zeit für große und erneut streßvolle Lebensentscheidungen wie Jobwechsel oder Hauskauf.

Wie kann ich meinem Kind helfen

Kinder leiden nach einer traumatischen Erfahrung oft lange an Angstzuständen. Einige machen Rückschritte in ihrer Entwicklung, beginnen wieder mit Daumenlutschen und Bettnässen. Andere haben Alpträume oder wollen nicht allein schlafen. Die Schulleistungen können nachlassen, aggressive Ausbrüche oder völliger Rückzug vom Familienleben sind möglich. Kinder brauchen in dieser Situation Hilfe von ihren Eltern:

* Verbringen Sie mehr Zeit mit Ihren Kindern. Lassen sie es zu, daß die Kinder nicht von Ihrem Rockzipfel weichen. Seien sie großzügig mit Zärtlichkeiten.
* Versuchen sie mit Ihrem Kind, falls es noch jünger ist, das Erlebte spielerisch zu verarbeiten. Lassen Sie z. B. den Lieblings-Teddy einen Unfall haben oder ermuntern Sie Ihr Kind ein Bild über das Ereignis zu malen.
* Sprechen Sie mit älteren Kindern über das Erlebte, über Gedanken und Gefühle. Beantworten Sie die Fragen Ihrer Kinder. Versichern Sie Ihren Kindern immer wieder, daß Sie Ängste, Befürchtungen und auch Nachlassen von Schulleistungen verstehen.
* Auch für Kinder gilt: Behalten sie den gewohnten Tagesrhythmus mit den üblichen Essens- und Bettzeiten bei. Das hilft Kindern das Gefühl für Sicherheit und Normalität wiederzuerlangen.

Wann sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Die Zeit heilt alle Wunden heißt es und auf viele Menschen trifft das auch zu. Leider gilt es aber nicht für alle. Manche Menschen haben sogar das Gefühl, ihre Reaktionen werden eher schlimmer als besser: Sie sind extrem nervös, traurig, leiden unter Schlaflosigkeit, unvermittelten Tränenausbrüchen, sind entscheidungsunfähig oder streitsüchtig und laufen Gefahr, Arbeitsplatz und Freunde bzw. Lebenspartner zu verlieren. Bei Kindern können wiederholte aggressive Ausbrüche auftreten, massive Leistungseinbrüche und Lernschwierigkeiten in der Schule oder extremer Rückzug und Isolation von anderen.

Sofern die Reaktionen auf ein traumatisches Erlebnis also über Wochen und Monate überhaupt nicht schwächer werden und ernsthafte Konsequenzen für das Alltagsleben drohen, dann sollte professionelle Hilfe durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden.

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