Hi!
Ich bin seit ca. 1 1/2 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung (Überlastungssyndorm). Vor ein paar Wochen habe ich geglaubt, dass ich jetzt diese Alptraumsituation überwunden hätte. Es wurde viel über meine Kindheit gesprochen, auch über meine Jugend (die ich eigentlich nicht hatte), über meine familiäre Situation usw.
Meine Kindheit, so dachte ich, hätte ich aufgearbeitet gehabt, auch bei meiner Jugendzeit wäre ich dieser Meinung gewesen. Meine Beziehung ist noch offen. An der wollte ich nicht arbeiten, weil ich sie nicht verändern kann bzw. will.
Ich glaubte, mit dieser Einstellung könnte ich nun wieder “normal” weiterleben. Doch seit einigen Tagen bekomme ich wieder Panikattacken, keine Luft, alles wird mir zu eng, wie damals auch vor ca. 1 1/2 Jahren.
Ich frage mich nun, geht das ganze jetzt wieder von vorne los? Was soll ich blos tun? Ich bin wirklich schon verzweifelt.
Ich lebe in Beziehung und habe zwei Kinder.
Ich war ein ganz engagierter Mensch, der vieles geleistet hat und auch geschafft hat. Seit ich in meinem “neuen Zuhase” bin, (ab der der Geburt meines ersten Kindes) ist irgendwie die Welt für mich zusammengebrochen. Ich dachte, dass sei alles nur eine Sache der Umstellung, aber jetzt sind schon fast 10 Jahre vergangen und es wird immer schlimmer. Meine Kinder geben mir nicht wirklich Halt, obwohl ich alles für sie tue. Mein Mann ist ein Workoholiker. Er sieht zwar mein Problem, ist aber selber so beschäftigt, dass ich selber glaube, er sei auch bereits mich sich und seiner Firma überfordert.
Ich stamme von einem Elternhaus ab, wo die Eltern (beide Unternehmer) nie Zeit für die eigenen Kinder hatten, die Firma stand immer an erster Stelle. Meine Eltern haben sehr viel geleistet, das mag schon stimmen, aber als Kind bin ich immer zu kurz gekommen, was Nähe, Zuneigung usw. betrifft. Meine einzige Stütze in meinem Leben war meine Großmutter und mein Vater, der mich verstanden hat und der mir auch Liebe, Vertrauen und Zuneigung gelernt hat. Vor zwei Jahren ist er leider an einer sehr heimtükischen Krankheit gestorben. Meine Mutter war nie eine Mutter zu mir. Sie war eine einkalte Geschäftsfrau und wir Kinder waren eigentlich immer nur im Weg. Meine Vater war meine Mutter.
Nun habe ich niemanden mehr und bin ganz auf mich alleine gestellt. Mein Mann versteht mich oft nicht und ich fühle mich sehr einsam. Zudem wohne ich in einer Wohngemeinschaft mit meinen Schwiegereltern, die ebenfalls noch immer das Sagen haben.
Ich war und bin nichts wert in dieser Familie. Das wird zwar oft nicht dirket ausgesprochen aber ganz gemeine, hinterlistige Attacken hatte ich bereits über mich ergehen lassen müssen. Zuvor war ich fassungslos und schockiert, wie gemein man sein kann. Ich habe mich auch nicht gewehrt, weil ich gelernt habe (aufgrund unseres Unternehmens), dass man dem Kunden und allen Menschen nicht widersprechen darf. Ich habe mir also meine Stellung in diesem Haus nicht erkämpft, und wenn ich mit meinem Mann über meine Probleme gesprochen habe, so hat er immer seinen Eltern die Stange gehalten. Selbst wenn ich jetzt etwas auf Beleidigungen antworte, so hat meine Schwiegermutter immer das letzte Wort. Das geht immer so weit, bis ich einfach nichts mehr auf ihre Aussagen weiß und am Ende stehe ich immer als blöder Verlierer oder Gedemütigter da.
Mittlerweile wird meine Einsamkeit immer größer (mache alles alleine mit meine Kinder, Ausflüge, Urlaub, usw. einfach alles)
Schon vor Jahren wollte ich meinen Mann verlassen. Da ist er in eine Depression gefallen, und ich bringe es einfach nicht zusammen ihn zu verlassen, weil ich nicht dafür verantwortlich sein möchte, wenn sich er aufgrund meines “Ihn Verlassens” er sich etwas antut. Mit dieser Schuld möchte ich nicht leben. Und aus diesem Grund bin ich noch immer bei ihm.
Abgesehen davon ist er sehr tüchtig, geschickt, liebevoll zu den Kindern aber auch zu mir immer nett.
Was wir allerdings überhaupt nicht haben, ist eine Gesprächsbasis. Wir reden so gut wie nichts. Ich bin froh, wenn ich am Abend meine Ruhe vor dem Fernseher verbringen kann, wenn meine Kinder im Bett sind, denn ich habe einfach keine Kraft und Energie für Gespräche mehr. Der Fernsehapparat und das Internet sind sozusagen meine einzige Verbindung zur Außenwelt. Ich habe eigentlich keine wirklichen Freunde und habe mich nur auf meine Kinder konzentiert. Mich dabei völlig vergessen, ja ich sogar ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich einmal etwas für mich alleine machen will.
Weiß jemand von euch, wie ich wieder zu mir finden kann, wie ich Energie bekommen kann, und aus meiner Verzweiflung herausfinden kann, wie ich wieder zu Kräften kommen kann, wie ich einfach wieder leben kann, Anschluss an die “Außenwelt” finden kann, denn zur Zeit fühle ich mich wie in einem “goldenen” Käfig, der immer enger wird, und ich habe Angst überzuschnappen und meine Kinder und mein Leben ganz zu verlieren.
Würde mich auf Antworten freuen
Betty



