Tipps, wie man eine persönliche Katastrophe besser verarbeitet

Jeden kann es treffen – plötzlich und aus heiterem Himmel: ein Unfall, der Tod eines nahen Angehörigen, die Diagnose einer schweren Krankheit, eine Vergewaltigung, das Haus brennt ab….Persönliche Katastrophen, die dem Betroffenen den Boden unter den Füßen wegzureißen drohen. Die ersten typischen Reaktionen sind Schock und Verleugnung, d.h. man kann im ersten Augenblick das Ausmaß der noch garnicht begreifen.

Sobald der lähmende Anfangsschock nachläßt, kommen andere Reaktionen, die individuell sehr unterschiedlich sein können:

* Plötzliche Stimmungswechsel, leicht weinen müssen, deprimiert, ängstlich oder nervös sein.
* Die Gedanken kreisen fortwährend um das Ereignis oder es wird wiederholt in der oder im Traum durcherlebt. Erinnerungsbruchstücke verdrängen andere Gedanken, hindern daran Alltagsanforderungen zu erfüllen, erhöhen den Herzschlag und führen zu Schweißausbrüchen.
* Konzentrationsprobleme, Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, Schlafprobleme und Appetitlosigkeit.
* Die Beziehungen zu anderen Menschen : Man reagiert häufiger gereizt und gerät in Streit.
* Körperliche Reaktionen können den emotionalen Streß begleiten: Kopfschmerzen, Übelkeit oder Brustschmerzen. Möglicherweise verschlechtern sich auch bestehende Krankheiten.

Jeder, der eine persönliche Katastrophe verarbeiten muß, sollte sich vor Augen halten, daß es keine Standardreaktion darauf gibt und kein allgemein gültiges Muster, wie man damit fertig wird. Einige Menschen reagieren sofort nach dem Erleben einer traumatischen Streßsituation, andere erst Wochen oder gar Monate später. Einige kommen relativ rasch darüber hinweg, andere leiden sehr lang.

Wie kann ich mir selbst helfen?

Es gibt einige Möglichkeiten sich selbst zu unterstützen, um das emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen:

* sich selbst Heilungszeit zugestehen. Erlauben Sie sich zu trauern und seien Sie geduldig: Setzen Sie sich nicht selbst unter Druck wieder funktionieren zu müssen.
* Nehmen sie Unterstützung von anderen an. Falls ihre ganze Familie von der Katastrophe betroffen war, müssen sie damit rechnen, daß dieses “Unterstützungssystem” geschwächt ist und selbst Hilfe braucht. Wenden Sie sich dann an Freunde und Arbeitskollegen. Sie über die Katastrophe oder führen sie ein Tagebuch.
* Für einige typische Traumasituationen gibt es Selbsthilfegruppen, z. B. bei Vergewaltigung oder einer Krebsdiagnose. Auch hier finden Sie emotionale Unterstützung und die Möglichkeit, sich Belastendes von der Seele zu sprechen.
* Ihr Körper kann durch emotionalen Stress geschwächt und krankheitsanfällig werden. Legen Sie daher besonderen Wert auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf und Bewegung.
* Halten Sie Ihren bisherigen Tagesrhythmus bei, planen sie aber für Hobbies oder Treffen mit Freunden ein. Tun Sie sich selbst Gutes.
* Die Genesungszeit von einer Katastrophe ist keine Zeit für große und erneut streßvolle Lebensentscheidungen wie Jobwechsel oder Hauskauf.

Wie kann ich meinem helfen

leiden nach einer traumatischen Erfahrung oft lange an Angstzuständen. Einige machen Rückschritte in ihrer Entwicklung, beginnen wieder mit Daumenlutschen und Bettnässen. Andere haben Alpträume oder wollen nicht allein schlafen. Die Schulleistungen können nachlassen, aggressive Ausbrüche oder völliger Rückzug vom Familienleben sind möglich. brauchen in dieser Situation Hilfe von ihren Eltern:

* Verbringen Sie mehr Zeit mit Ihren Kindern. Lassen sie es zu, daß die Kinder nicht von Ihrem Rockzipfel weichen. Seien sie großzügig mit Zärtlichkeiten.
* Versuchen sie mit Ihrem Kind, falls es noch jünger ist, das Erlebte spielerisch zu verarbeiten. Lassen Sie z. B. den Lieblings-Teddy einen Unfall haben oder ermuntern Sie Ihr Kind ein Bild über das Ereignis zu malen.
* Sprechen Sie mit älteren Kindern über das Erlebte, über Gedanken und Gefühle. Beantworten Sie die Fragen Ihrer Kinder. Versichern Sie Ihren Kindern immer wieder, daß Sie Ängste, Befürchtungen und auch Nachlassen von Schulleistungen verstehen.
* Auch für Kinder gilt: Behalten sie den gewohnten Tagesrhythmus mit den üblichen Essens- und Bettzeiten bei. Das hilft Kindern das Gefühl für Sicherheit und Normalität wiederzuerlangen.

Wann sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Die Zeit heilt alle Wunden heißt es und auf viele Menschen trifft das auch zu. Leider gilt es aber nicht für alle. Manche Menschen haben sogar das Gefühl, ihre Reaktionen werden eher schlimmer als besser: Sie sind extrem nervös, traurig, leiden unter Schlaflosigkeit, unvermittelten Tränenausbrüchen, sind entscheidungsunfähig oder streitsüchtig und laufen Gefahr, und Freunde bzw. Lebenspartner zu verlieren. Bei Kindern können wiederholte aggressive Ausbrüche auftreten, massive Leistungseinbrüche und Lernschwierigkeiten in der Schule oder extremer Rückzug und Isolation von anderen.

Sofern die Reaktionen auf ein traumatisches Erlebnis also über Wochen und Monate überhaupt nicht schwächer werden und ernsthafte Konsequenzen für das Alltagsleben drohen, dann sollte professionelle Hilfe durch einen oder Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden.




Im Frühling erwachen nicht nur Liebesgefühle: Mehr Selbstmorde in der warmen Jahreszeit als im Winter

Viele Menschen in den grauen verregneten Herbst- und Wintermonaten unter Depressionen. Was liegt also näher als zu vermuten, dass in dieser Zeit auch die Selbstmordraten steigen. Erstaunlicherweise stimmt das nicht, zumindest nicht für die . Statistiken zeigen, dass mehr Menschen in der warmen Jahreszeit Selbstmord verüben als im Winter.

Etwa 30 000 Amerikaner verüben jährlich Selbstmord, das sind etwa 80 Menschen pro Tag oder ein Mensch alle 18 Minuten. Zum Vergleich: Rund 17 000 sterben pro Jahr in den USA durch Mord und Totschlag.

Etwa 730 000 Menschen überlebten 1999 einen Selbstmordversuch (für spätere sind noch keine Zahlen erhältlich). Aufgrund von Schätzungen wird angenommen, dass zum jetzigen Zeitpunkt etwa 2 % der US- Bevölkerung irgendwann einmal im Leben einen Selbstmordversuch unternommen hat.

Im Gegensatz zu Vermutungen, dass die Zahl der Selbstmord um Weihnachten herum steigt zeigt die Statistik ein anderes Bild: Beginnend mit April bis zum des Sommers sterben mehr Menschen durch eigene Hand als in den anderen Monaten.

Experten haben keine endgültigen Antworten warum die Frühlings- und Sommermonate eine Zeit der erhöhten Verzweiflung für manche Menschen sind, aber sie haben eine Hypothese: Wer den ganzen Herbst und Winter unter Depressionen leidet erhofft sich, dass es im Frühling wieder bergauf geht. Falls mehr Sonnenschein und Naturerwachen dann allerdings keinen positiven Einfluss auf die Psyche haben, intensiviert sich das der Hoffnungslosigkeit und es setzt sich der Gedanke fest: Es hat alles keinen Sinn mehr.

Beth Wood, 38, aus Akron, Ohio wurde im Frühling 1995 nach der Einnahme von 40 Schmerztabletten mit Alkohol gerade noch rechtzeitig von ihrem Freund gefunden. Sie sagt heute über diesen Selbstmordversuch: “Die Vögel singen, Blumen blühen, alles Leben erwacht wieder. Und du fragst dich: wie kommt es, dass mein Leben nicht funktioniert? Wie kommt es, dass sich in meinem Leben nichts verbessert?”

Zu der Zeit, als sie ihren Selbstmordversuch unternahm lebte Beth Wood mit ihrem Freund zusammen, hatte aber keinen Kontakt mehr mit ihrer Familie und hatte außerdem ihren gekündigt. „Ich war überzeugt, dass mich niemand vermissen würde weil ich solch eine wertlose Person geworden sei,“ sagt Wood heute über diese Zeit.

Barb Medlock, Mitarbeiterin in einem Kriseninterventionszentrum in Ohio meint, dass 90 Prozent der Menschen, die Selbstmord verüben, geholfen werden könnte. „Die Leute stolpern über emotionale Probleme, für die sie keine Lösung wissen. Da sie über keine guten Bewältigungsstrategien verfügen und weder Verwandte noch Freunde um Hilfe fragen, fühlen sie sich rasch überwältigt. Hoffnungslosigkeit entsteht und Selbstmord erscheint als einziger Ausweg aus der Misere.

Beth Wood bezeichnet Selbstmord heute als dumm und selbstsüchtig. Sie hatte – wie viele verzweifelte Menschen vor ihr – geglaubt, dass ihr Tod für die Familie eher eine Entlastung als eine Belastung sein würde. Nachdem sie im Spital wieder das Bewusstsein erlangt hatte und die besorgten Gesichter ihrer Angehörigen sah, die alle ins Spital geeilt waren, wusste sie, dass sie sich geirrt hatte. Und letztes Jahr erfuhr Beth Wood den Schmerz der Freunde und Familie nach einem Selbstmord auch aus nächster Nähe: Ein Freund, der ihr in ihrer schweren Zeit beigestanden war, starb durch eigene Hand.

Zum Abschluss noch einige Zahlen und Fakten:

  • Mit 59 Selbstmorden per 100 000 über 85 Jahre hat diese Altersgruppe in den USA die höchste Selbstmordrate.
  • Selbstmord liegt bei jungen Leuten zwischen 15 und 24 Jahren unter den Todesursachen an dritter Stelle, nach Unfällen und Mord/Totschlag.
  • Viermal soviel Männer wie verüben Selbstmord, bei Selbstmordversuchen beträgt das Verhältnis zwischen und Männern aber 3:1.
  • Vielen Selbstmordversuchen gehen jahrelange Depressionen und Alkohol- oder Drogenmissbrauch voraus.

Originalartikel: Springtime brings out feelings of despair, hopelessness for many:
www.psycport.com, 26. April, 2002




Erkranken Männer weniger häufig als Frauen – oder geben sie ihre Erkrankung nur nicht zu?

Laut US-Statistik sind doppelt soviel wie Männer von einer Depressionserkrankung betroffen. Das dürfte aber eigentlich nicht sein, denn soviel weiß man bisher über die Erkrankung: Klinische kennt keine Grenzen basierend auf Geschlecht, sozialer Situation, sexueller Orientierung, Rasse oder Religion. Männer müßten also im gleichem Ausmaß betroffen sein wie . Daher liegt der Verdacht nahe, daß sie eine Erkrankung nur nicht zugeben. Vielleicht deshalb, weil einige wie Verzweiflung, Teilnahmslosigkeit und Weinerlichkeit dem alten Männlichkeitsbild widersprechen. Und vielleicht auch deshalb, weil auch heute noch viele Jungen zu hören bekommen ”Jungen weinen nicht”.

Dabei sind depressive Männer in ‘guter Gesellschaft’: Abraham Lincoln z.B. und Winston Churchill, der seine Depression den ”schwarzen Hund” nannte, sind nur zwei prominente Namen aus einer langen Liste.

Höhere Selbstmordraten bei Männern

Wenn Männer die Erkrankung nicht zugeben, bedeutet das in den meisten Fällen, daß sie auch keine Hilfe suchen. Das ist doppelt bedauerlich: Erstens könnte den meisten Betroffenen mit den heutigen Medikamenten und Therapien geholfen werden und zweitens werden viele Männer mit der Erkrankung schlechter fertig als Frauen: Untersuchungen zeigen, daß Frauen zwar dreimal häufiger einen Selbstmordversuch unternehmen als Männer, aber bei Männern resultiert dieser Versuch dreimal häufiger in einem vollzogenen Selbstmord. Das kann so interpretiert werden, daß bei Männern hinter einem Selbstmordversuch wesentlich häufiger der Entschluß steht, tatsächlich zu sterben, während Frauen häufiger auf diese verzweifelte Art und Weise um Hilfe rufen.

Warum suchen nun depressive Männer keine Hilfe: Therapeut Terrence Real sagte dazu in einem Interview mit der Zeitung ‘ San Francisco Chronicle’: ”Depression ist eine Erkrankung, bei der viele Menschen sich nicht sehr gut mit sich selbst fühlen. Aber Männer schämen sich doch dazu darüber, daß sie sich schämen. Sie sind deprimiert darüber, deprimiert zu sein.”

In den verzeichnet man z.B. die höchste Rate an Selbstmorden unter Männern in den Bundesstaaten Arizona, Montana, Wyoming, Utah and Nevada – dort, wo ”Männer noch Männer sind”, sagt Dr. Jan Fawcett, Vorstand einer psychiatrischen Klinik in Chicago und setzt fort: ”Die klassischen Männerwerte in diesen Staaten von Unabhängigkeit und Stoizismus gepaart mit leichterem Zugang zu Waffen fördern es, daß Männer nicht über ihren Zustand und Hilfe suchen.

Symptome einer versteckte Depression: Ärgerausbrüche, Gewalt, Drogensucht und Alkoholismus

Terrence Real glaubt, daß Ärgerausbrüche, Alkoholismus, Drogensucht und häusliche Gewaltausübung von Männern oft nur Zeichen einer versteckten Depression sind. Dabei könnten seiner Meinung nach 90 Prozent der betroffenen Männern mit Medikamenten und Therapien geholfen werden – wenn auch nicht immer eine vollständige Heilung, so sei doch zumindest eine Besserung möglich, sagt Real: ”Die von ist einer der großen Erfolgsstories der Psychiatrie”.

Viele Männer fürchten berufliche Nachteile, wenn bekannt wird, daß sie wegen einer Depression in Therapie sind. Das gesellschaftliche Stigma für psychische Erkrankungen trifft Männer heutzutage immer noch härter als Frauen. Es wird zwar einerseits über die Emotionalität von Frauen gespöttelt, andererseits werden psychische Erkrankungen bei Frauen eher akzeptiert und es ist daher einfacher für sie Hilfe zu suchen. (Das größere gesellschaftliche Stigma für Männer könnte man zynisch auch so formulieren: ”Für Frauen gilt es als normal ‘verrückt’ zu sein” – was im Fall einer tatsächlichen Erkrankung offensichtlich von Vorteil sein kann.)

Etliche Männer haben außerdem Angst vor den Anti-Depressions-Medikamenten. Sie fürchten die Nebenwirkung ”sexuelle Dysfunktion”. Es stimmt, daß einige populäre Medikamente wie Prozac und Zoloft die Lust auf Sex dämpfen können (bei beiden Geschlechtern) und bei einigen Männern auch zu sexuellen Funktionsstörungen bis hin zur Impotenz führen. Dr. Fred Parris, ein Psychiater in San Francisco meint dazu, erstens würden die Medikamente bei jedem Patienten anders wirken und nicht jeder hätte unter diesen Nebenwirkungen zu , zweitens gebe es bereits Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und drittens sei der sexuelle Appetit bei vielen betroffenen Männern schon durch die Depression selbst stark reduziert.

Quellen für diesen Artikel:
www.nimh.nih.gov (National Institute of Mental Health, USA)
www.psycport.com/news (Ein Produkt der American Psychological Association mit Publikationen von psychologierelevanten Artikeln in US-Medien, für obigen Bericht konkret: ”Sad Men…” in ”The San Francisco Chronicle”, 2.Oktober 2000)




Besonderheiten der Depressionssymptome bei Kindern

Nach amerikanischen Schätzungen erkranken etwa 2-3 Prozent der Kinder und 8 Prozent der Jugendlichen an Depressionen. Die wird eigentlich erst seit einigen Jahren bei Kindern als solche erkannt. Es passiert aber immer noch, daß Symptome als ”entwicklungsbedingte Störungen” übergangen werden und die daher unbehandelt bleibt. Kliniker in den warnen vor schwerwiegenden Folgen einer solchen Nichtbehandlung, bis hin zu Selbstmordversuchen. Laut einer US-Statistik des Department of Health and Human Services war Selbstmord im Jahr 1997 die dritthäufigste Todesursache bei 10 bis 24 jährigen.

Besonders gefährdet sind Kinder aus Familien mit vorhandenen Depressionserkrankungen bei erwachsenen Angehörigen – das deshalb, weil ein genetischer Aspekt bei der Erkrankung an Depressionen vermutet wird. Erleiden diese Kinder zusätzlich besonderen Streß wie Verlust eines Elternteils, schwere Erkrankung, Scheidung der Eltern, Lernschwierigkeiten oder ein Trauma wie sexuellen Mißbrauch oder körperliche Mißhandlung, dann potenziert sich quasi die Gefahr einer tatsächlichen Depressionserkrankung.

Bei der Diagnose stellt sich das Problem, daß sich die Depression bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen äußert: Statt eines sozialen Rückzuges wird bei Kindern oft Ausagieren ihres Gefühlszustandes beobachtet: Aggressive Ausbrüche und häufige Raufereien mit anderen Kindern können daher z.B. Symptome einer sozialen Verhaltensstörung sein oder Begleitsymptome einer Depression. Unkonzentriertheit, Lernschwierigkeiten und daraus resultierendes Schulversagen können Ausdruck eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms sein oder Symptome einer Depression.

Etliche Symptome der Depression bei Kindern ähneln allerdings den Symptomen der erwachsenen Patienten, daher gilt in den USA (Richtlinie der US-Akademie für Kinder Psychiatrie), daß die Diagnose aufgrund des Diagnoseschemas DSM-IV erstellt wird.

Jüngere Kinder zeigen andere Symptome als ältere Kinder

  • Bei kleineren Kindern bis zu etwa sechs Jahren liegt das Schwergewicht der Symptome oft auf erhöhte Ängstlichkeit, körperliche Beschwerden, heftigen Temperamentsausbrüchen (Aggressionen, rebellisches Verhalten) und Verhaltensproblemen.
  • Bei älteren Kindern kommen stärker Symptome wie mangelndes Selbstbewußtsein, Schuldgefühle und Gefühle der Hoffnungslosigkeit (”ist doch alles egal”) zum Vorschein.
  • Jugendliche wiederum häufig stärker unter Schlaf- und Appetitstörungen, Selbstverletzungen und Suizidgedanken.

Allgemeine Symptome einer Depression :

Im folgenden einige Symptome, die häufig bei depressiven Menschen aller Altersstufen zu finden sind. Es gilt: für einen Verdacht auf Depression sollten mehrere dieser Symptome seit Wochen nahezu täglich zu beobachten sein.

  • deutlich herabgesetztes Interesse an Freunden und Spielen
  • Wenig Selbstvertrauen, Schuldgefühle, ”wertlos” zu sein, nicht geliebt zu werden
  • Konzentrationsprobleme, Probleme beim Nachdenken, Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
  • Schlafstörungen (zu wenig schlafen oder immer müde sein und zuviel schlafen)
  • energielos, keine Lust, irgend etwas anzufangen
  • sozialer Rückzug, keine Lust mit Freunden zu spielen
  • kein richtiger Appetit (bei Kindern v.a. auffallend, wenn früher ”guter Esser”) od. unentwegt essen und starke Gewichtszunahme
  • niedrige Frustrationstoleranz, schnell weinen oder wütend werden
  • sich oft ohne konkreten Anlaß traurig fühlen

Wie gesagt, jeder von uns, auch ein Kind, fühlt sich einmal eine zeitlang melancholisch. Eine Depression unterscheidet sich von der Melancholie durch Dauer, Häufigkeit und Intensität der Symptome.

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Die Behandlung einer Depression bei Kindern konzentriert sich vor allem auf Psychotherapie. Bei jüngeren Kindern zeigen Spieltherapien Erfolge, bei älteren Kindern kognitive Verhaltenstherapien. In bezug auf Medikamente betritt man bei Kindern noch Neuland: Die vorhandenen Anti-Depressionsmedikamente sind für Erwachsene erforscht und dosiert. Erste Erfahrungen in den USA zeigen allerdings, daß neuere Medikamente, die das Niveau des Neurotransmitters Serotonin im regulieren, auch bei Kindern wirken – allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie bei Erwachsenen. Weitere Forschungsarbeiten sind hier notwendig.

Quellen für diesen Artikel:
www.savvyHealth.com, ”Even Kids Get the Blues: Depression in Children” von Jill Brady, 29.Sept. 2000
www.nimh.nih.gov, Depression Research Fact Sheet des National Institute of Mental Health, USA, März 1999




Forscher entdecken frühe Warnzeichen für Depression bei Kindern

Eine Abnormalität bei der Produktion des Hormons Somatotropin bzw. Growth Hormon (GH) ist laut einer Wissenschaftlergruppe der Medizinischen Schule der US-Universität Pittsburgh ein frühes für bei Kindern. Für die wurden 119 getestet. Ungefähr die Hälfte der kam aus Familien mit Depressionserkrankungen bei nahen Angehörigen. Diese produzierten nach Einnahme von Somatoliberin bzw. Growth Hormon-Releasing Hormon (GHRH) signifikant weniger GH als die Kontrollgruppe, bestehend aus Kindern ohne Familiengeschichte von Depressionserkrankungen. Die Forscher interpretierten dieses Ergebnis als Signal für eine Störung in der Gehirnchemie.

Der jetzt veröffentlichten Studie war eine andere Untersuchung vorangegangen, in der Kinder und Jugendliche mit einer akuten Depressionsphase untersucht wurden. Bei diesen Patienten war erstmals die geringere Abgabe von GH nach Einnahme von GHRH festgestellt worden.

Auf Basis dieser Ergebnisse könnten Präventionsprogramme für aufgrund der Familiengeschichte gefährdete Kinder erarbeitet werden. Denkbar wäre zum Beispiel, daß Kinder mit depressiven Familienangehörigen und einem geringen GH-Niveau ein Spezialtraining in Streßverarbeitung bekommen.

Quelle für diesen Artikel:
www.psycport.com,14. September 2000




Depression: Hilft positive Psychologie?

Martin Seligman, Psychologie Professor an der Universität von Pennsylvania, sagt, Glück bzw. Lebensfreude hängt stark mit einer optimistischen Erwartungshaltung dem Leben gegenüber zusammen und diese Erwartungshaltung kann gelernt werden.

Positive Psychologie

Seligman ist Autor des bereits 1990 erschienen Buches “Gelernter Optimismus” und gilt als geistiger der “Positiven Psychologie”. Seit Ansatz hat einige bewogen nach Jahren “klassischer” Depressionsforschung die Fragestellung zu ändern. Sie forschen nicht mehr danach, was uns unglücklich macht, sondern fragen vielmehr “was macht uns Menschen glücklich?”. Konkrete Forschungsfragen lauten: Haben glückliche Menschen ähnliche Lebenseinstellungen oder Lebensumstände? Trägt Wohlstand zum Glück bei? Welche Wege führen zu einem glücklichen Menschen? Und vor allem: Wie definiert man überhaupt Glück am besten?

Unterschiede zwischen Optimisten und Pessimisten

Seligman meint, Optimisten haben mehr Chancen auf Lebensfreude. Kennzeichen von optimistischen Menschen ist, daß sie Erfolge und positive Ereignisse in ihrem Leben auf ihre eigenen Leistungen und Fähigkeiten zurückführen und negative Ereignisse als Pech ansehen, das sie zufällig getroffen hat. Pessimisten dagegen fühlen sich verantwortlich und schuldig für alles Negative und schreiben dagegen positive Ereignisse dem Zufall zu und nicht ihren eigenen Leistungen und Fähigkeiten. “Wenn dein Chef sich dir gegenüber schroff verhält, dann kannst du es entweder als seinen schlechten Tag interpretieren oder glauben, er verhält sich so, weil du eine wertlose Person bist”, sagte Seligman kürzlich in einem Gespräch mit der Tageszeitung “Boston Globe”.

Positive Psychologie – Modetrend oder ernstzunehmen als “Kognitive Therapie”?

Positive Psychologie wird von vielen Psychologen in den USA als eine zeitgemäße Lösung für Gefühlkummer gesehen, der nicht schwer genug ist, um mit Anti-Depressions-Medikamenten oder jahrelanger auf der Couch behandelt zu werden. In dieser Sichtweise ist Positive Psychologie verwandt mit Kognitiver Therapie, die Menschen helfen will negative bzw. schädigende Gedankenmuster zu ändern.” Sie gefällt den Leuten und macht Sinn” sagt Phil Levendusky, Direktor für Psychologie am McLean Spital in Belmont, Massachusetts. “Man muß nicht lange in Kindheitserinnerungen herumwühlen. Positive Psychologie ist zeitgemäßes Problemlösen. Der Ansatz ist praktisch, pragmatisch und hat Erfolge.”

Kritik an der Positiven Psychologie

Aber es gibt auch Kritik: Seligman ist einmal gefragt worden, welche Behandlung er einem hypothetischen Neffen empfehlen würde der unter schweren Depressionen leidet. Er antwortete, er würde ihm eine kognitive Therapie raten – ohne Medikamente. Diese Empfehlung findet nicht die Zustimmung von Bessel A. van der Kolk, Psychiatrie-Professor an der Boston University School of Medicine: “Bevor es Medikamente gegen Depressionen gab mußten Betroffene oft Monate im Krankenhaus bleiben”. Van der Kolk meint außerdem, daß es vor allem in Fällen der Traumabewältigung in Zusammenhang mit Depressionen notwendig ist, auch “Vergangenheitsbewältigung ” zu betreiben. Der pragmatische Ansatz der Positiven Psychologie vernachlässige hier viele Aspekte. “Menschen, die ein traumatisches Erlebnis erlitten haben müssen darüber erst reden können, bevor sie ihre Depressionen überwinden können”, meint van der Kolk.

Norbert Schwarz, Psychologie Professor an der Universität von Michigan kritisiert an der Positiven Psychologie, daß sie versucht zu viele Aspekte unter einem Namen zu vereinnahmen. So erforschen Seligman und Mitarbeiter auch Mut und Liebe in Zusammenhang mit dem “positiven Gedanken-Prozeß”.

Lebensfreude ist Freude an kleinen Dingen des Alltags

Während die akademische was Glück bzw. Lebensfreude nun eigentlich ist und wie man es erreichen kann in den USA weiterhin aktuell geführt wird fragen andere Psychologen einfach “den Mann/die Frau auf der Straße”, was er/sie zu diesem Thema zu sagen hat. Ed Diener von der Universität von Illinois fand z.B. daß sich selbst als glücklich bezeichnende Menschen ihren Gefühlszustand eher als “die meiste Zeit über wenig bis mittelmäßig angenehm” bezeichnen und weniger von “gelegentlichen intensiven Glücksgefühlen” berichten. Diener meint, daraus könne man , daß Leute, die immer nach Hochgefühlen suchen, sei es im Beruf oder in einer Liebesbeziehung, mit größerer Wahrscheinlichkeit Enttäuschungen erleben werden. Lebensfreude hat demnach etwas mit der Fähigkeit zu tun, sich an den kleinen Dingen des Alltags erfreuen zu können.

Dieses Resultat wird von einer anderen Studie unterstützt. Norbert Schwarz fand, daß Menschen, die im Rahmen eines Experiments an der Universität von Michigan, (von den Forschern plazierte) Geldmünzen an einem Kopiergerät gefunden hatten in einer nachträglichen Befragung über größere allgemeine Lebenszufriedenheit berichtet haben als Menschen, die keine Münzen vorfanden.

Was kennzeichnet Menschen mit Lebensfreude noch?

David Myers vom Hope College in Holland, Michigan fand einige Merkmale: Glück bzw. Lebensfreude hängt demnach nicht mit Alter, Geschlecht und Einkommen, abgesehen von extremer Armut, zusammen. Ausschlaggebend waren dagegen Faktoren wie irgendeine Form eines geistigen Glaubens zu besitzen und die Unterstützung eines Netzwerkes von nahen Beziehungen, wie Freunde und Familie.

Für Myers sind diese Ergebnisse der Beweis, daß die Zunahme an Depressionserkrankungen in der US-Gesellschaft zusammenhängt mit dem Verlust von traditionellen Beziehungsnetzwerken.

Brainmapping: Wo sitzt Lebensfreude im ?

Im Zuge der Bemühungen zu lokalisieren und zu analysieren haben sich Wissenschaftler natürlich auch mit den von glücklichen und depressiven Menschen befaßt. Richard Davidson, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Universität von Wisconsin in Madison führt seit 15 Jahren entsprechende Forschungen durch. Er entdeckte dabei, daß der linke prefrontale Kortex von lt. Selbstbeschreibung glücklichen Menschen lebhafte Nervenzell-Aktivität zeigte während depressive Menschen eher Aktivität auf dem rechten prefrontalen Kortex zeigten. Aus diesem Ergebnis leitet sich die Frage ab, ob es in Zukunft ein Medikament geben kann, daß Lebensfreude durch Stimulierung des linken prefrontalen Gehirnabschnitts erzeugt. Davidson erforscht zur Zeit ob äußere magnetische Felder zur Stimulierung genutzt werden können.

Positive Psychologie am

Unterdessen finden die Ansätze der Positiven Psychologie immer mehr Einfluß in die Arbeitswelt. Etliche Firmen haben bereits “Optimismustests” in ihr Testrepertoire für die Einstellung eines Bewerbers aufgenommen. “Besonders für Verkäufer ist eine Extra-Dosis von das Selbstbewußtsein schützenden Optimismus notwendig”, sagt dazu Arbeitspsychologe Michael Mercer aus Barrington, Illinois. Daher werden Bewerber, die hohe Punktezahlen in den Tests erringen von den Arbeitgebern bevorzugt.

Seligman freut sich über den Einfluß der Positiven Psychologie. Er hofft, daß es weiterhin beim weitgefächerten Forschungsgebiet bleibt und künftig auch Aspekte wie Ehrlichkeit, Mitleidsfähigkeit und Weisheit als positive und in einer Gesellschaft zu fördernde Eigenschaften einbezogen werden. Positive Psychologie ist nicht einfach nur “Happy-ologie”, sagt Seligman.

Quelle: “Happiness is a positive thought”, Boston Globe, 14.Maerz 2000, nachzulesen (bis etwa Mitte April): www.psycport.com unter dem Titel “Psychologists Study Causes And Effects Of Happiness”. Übersetzt und zusammengefaßt von Mag. Turnheim, Psychologische : www.psychohelp.at, e-mail: <http://www.privatedaddy.com?q=XWlXfVNUR1hGHz16b0h7PSxGb0EkPkJzbHVj_19>




Definition, Symptome, Typen und Behandlung

Eine kann viele Gesichter haben:

Die 64jährige Anna B. war früher eine aktive, lebenslustige Frau. Seitdem sie in Rente war reiste sie gemeinsam mit ihrem 72jährigen Mann Walter viel herum und hatte eine besondere für die Toskana entdeckt. Dann starb plötzlich Walter an einen Herzinfarkt und seitdem ist alles anders: Anna aus, vermeidet ihre Freundinnen, läßt den Garten, früher ihr Lieblingshobby, verkommen und hält auch kaum Kontakt zu ihrer Tochter und dem 10jährigen Enkelsohn. Obwohl Anna jetzt schon seit mehr als einem Jahr Witwe ist, scheint sich an ihrem Zustand nichts zu ändern. Hin und wieder sagt sie zu ihrer Tochter, daß Walter vielleicht noch leben würde, hätten sie ein ruhigeres und beschaulicheres Rentnerleben geführt.

Martin ist 17 alt. Er wirkt nicht traurig. Er ist gereizt und aggressiv: Martin streitet mit seiner Mutter über jede Kleinigkeit, hat seiner Freundin den Laufpaß gegeben und spielt nach etlichen Querelen nicht mehr in der örtlichen Fußballmannschaft. Am liebsten liegt er den ganzen Tag über im Bett, hört Musik oder setzt sich vor den Fernseher. Seine schulische Leistung ist rapid gesunken, er muß die 10. Klasse wiederholen.

Die ältere Frau und der junge Mann- sie beide haben etwas gemeinsam: beide zeigen Symptome einer Depressionserkrankung. Trauer ist eine normale Reaktion auf einen schweren Verlust wie Tod eines nahen Menschen oder auf übermäßige Belastung. Die Depression unterscheidet sich von einer normalen Trauer aber dadurch, daß sie übermäßig lange dauert, die Trauerreaktion selbst übermäßig intensiv erscheint und manchmal außerdem kein äußerer Anlaß zu entdecken ist. Depressive Menschen sind energielos, haben ihre ursprünglich einmal vorhandene Freude an Tätigkeiten oder Dingen verloren, fühlen sich hoffnungslos, ängstlich und unter Schlafstörungen. Viele Betroffene plagen sich mit Selbstvorwürfen. Sie sind außerdem in ihrem Alltagsleben stark eingeschränkt, bekommen berufliche oder schulische Probleme. Es besteht eine erhöhte Selbstmordgefahr.

Es gibt keine genauen Statistiken darüber, wieviel Menschen von einer Depressionserkrankung betroffen sind, da viele Betroffene keine ärztliche Hilfe suchen. Die Schätzungen gehen dahingehend, daß etwa 15 % der Bevölkerung hin und wieder an einer leichten Depression leidet und 2 Prozent an schweren Depressionen.

Untersuchungen über die Ursache der Depression bringen Hinweise auf fundamentale Störungen im . Mithilfe von neueren Abbildungsverfahren für Gehirnprozesse (u.a. Magnetresonanz-Technik) ist der Nachweis gelungen, daß bei einer Depression neuronale Schaltkreise, die für die Regulation von , Schlaf, Denken und Appetit verantwortlich sind, Störungen aufweisen. Außerdem ist die Zusammensetzung der Neurotransmitter – das sind verschiedene chemische Botenstoffe, die von den Gehirnnervenzellen zur Kommunikation gebraucht werden – aus der Balance.

Aufgrund genetischer Forschungen geht man davon aus, daß die Anfälligkeit einer Person für eine solche Störung der elektrischen und chemischen Prozesse im Gehirn vererbt werden. Erleidet diese Person dann zusätzlich besonderen Streß ist die einer tatsächlichen Erkrankung an Depression um ein Vielfaches höher als bei Personen ohne familiärer Vorbelastung mit Depression.

Depression kann allerdings trotzdem auch Menschen ohne familiäre Vorbelastung befallen. Ursachen können sein: Gehirnveränderungen nach schweren Erkrankungen, Störungen oder Veränderungen im Hormonhaushalt (z.B. Schwangerschaft oder Wechseljahre), Medikamente, Drogenmißbrauch, Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, traumatische Erlebnisse ….

Symptome und Typen der Depression

Es ist ganz natürlich, sich in verschiedenen Situationen des Alltags niedergeschlagen zu fühlen. Die Grenze zwischen normaler Niedergeschlagenheit und der eigentlichen Depression ist dabei fließend. Für eine Depression gilt, daß mehrere der folgenden Symptome über einen längeren Zeitraum vorhanden sein müssen:

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Fehlendes Interesse und Freude an normalen und Vergnügungen
  • Sozialer Rückzug
  • Veränderung von Persönlichkeitszügen, wie z.B. plötzliche Aggressivität
  • Geringerer Appetit/Gewichtsverlust oder erhöhter Appetit und Gewichtszunahme
  • Schlafstörungen, gekennzeichnet durch frühzeitiges Erwachen gefolgt von Grübeln oder durch Einschlafstörungen
  • Geringerer oder erhöhter Schlafbedarf
  • Rastlosigkeit oder Trägheit
  • Verringerte sexuelle Energie
  • Fehlende Energie, Müdigkeit
  • Geringeres Selbstbewusstsein
  • Schuldgefühle
  • Weinerlichkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten, langsamer Gedankengang
  • Unentschlossenheit
  • Wiederkehrende Gedanken über den Tod, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche
  • Wahnphänomene

Typen der Depression (lt. Diagnostischem und Statistischem Manual Psychischer Störungen DSM IV)

Major Depression: Das wesentlichste Merkmal ist eine mindestens zwei Wochen lang andauernde Zeitspanne mit schwermütiger Stimmung und/oder Verlust des Interesses und der Freude an fast allen Aktivitäten. Außerdem müssen zumindest vier zusätzliche Symptome (siehe oben) bestehen, die während dieser mindestens zwei Wochen täglich und permanent vorhanden sind. Manche Patienten erleiden im Laufe ihres Lebens nur eine Episode einer Major Depression, andere mehrere Episoden.

Bipolare Störung: Hier kommt es zu einem Wechsel zwischen depressiven Phasen und manischen Episoden. Während einer manischen Episode zeigt der/die Betroffene u.a. ein übersteigertes Selbstwertgefühl, geringes Schlafbedürfnis, gesteigerte Betriebsamkeit und/oder psychomotorische Unruhe und/oder Rededrang.

Dysthyme Störung: Sie ist definiert als eine depressive Verstimmung, die mindestens zwei Jahre lang mehr als die Hälfte der angehalten hat, zusätzliche depressive Symptome aufweist, aber die Kriterien für eine Major Depression nicht voll erfüllt.

Zyklothyme Störung: Hier leiden die Betroffenen unter starken Stimmungsschwankungen, wobei die einzelnen Phasen weder voll die Kriterien für eine manische Episode noch die Kriterien für eine Major Depression erfüllen.

Man unterscheidet außerdem zwei aufgrund ihrer Ursache gesondert genannte Erkrankungen: Affektive Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (Depressionen als Begleitsymptom zu schweren körperlichen Erkrankungen) und Substanzinduzierte Affektive Störung (Depressionen als Nebenwirkung von Medikamenten oder Folge von Drogenmißbrauch oder nach Kontakten mit einem Toxin)

Behandlung

Mit heutigen Behandlungsmethoden kann einem Großteil der Patienten geholfen werden. Die Kombination Medikament und Psychotherapie hat sich dabei gut bewährt.

Ungefähr 80 Prozent der Betroffenen reagieren laut dem US-Institute of Mental Health positiv auf eine Behandlung in dem Sinn, daß es zumindest zu einer deutlichen Verbesserung des Gemützustandes kommt. Trotzdem gibt es noch viele ungelöste Probleme: Ein kleiner Teil der Depressionskranken spricht überhaupt nicht auf die Medikamente an. Bei anderen Patienten halten erreichte Erfolge wiederum nur eine zeitlang an. Medikamente gegen Depression brauchen außerdem oft Wochen, bis sie die angestrebte Wirkung zeigen, weshalb es immer wieder notwendig wird, akut selbstmordgefährdete Depressionskranke temporär auf einer psychiatrischen Station aufzunehmen. Außerdem haben einige der Medikamente beeinträchtigende Nebenwirkungen wie z.B. Reduktion der sexuellen Aktivität und werden daher von den Patienten abgelehnt und gegen ärztlichen Rat abgesetzt. Es gibt zwar Medikamente mit relativ wenig Nebenwirkungen, doch leider sprechen nicht alle Patienten im gleichen Ausmaß auf diese Medikamente an. Es kann also eine zeitlang dauern kann, bis das richtige Medikament gefunden wird und zu wirken beginnt.

Unter den verschiedenen Psychotherapieschulen hebt das US-Institute of Mental Health vor allem die kognitive Verhaltenstherapie und die Einzel-Gesprächstherapie als wirksam hervor. Untersuchungen hätten gezeigt heißt es in einem Informationsblatt des Instituts, daß bei leichteren Depressionen Psychotherapie allein ausreichende Wirkung zeigen würde, während bei schwere Depressionen eine Kombination von Medikament und Therapie empfohlen wird.

Quellen für diesen Artikel:
www.nimh.nih.gov Informationsblatt “Depression Research”, National Institute of Mental Health, .
Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-IV, Dt.Bearbeitung von Saß, Wittchen und Zaudig, S.375-S.452, Hogrefe Verlag 1998




Sport gegen Depression

Regelmäßige sportliche Betätigung ist ein wirkungsvolles Mittel gegen . Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie von einer US-Wissenschaftergruppe der Duke-Universität in Durham, North Carolina. An dieser Studie nahmen 156 Menschen älter als 45 teil. Eine Gruppe der Teilnehmer nahm das Medikament Zoloft, eine andere Gruppe traf sich lediglich dreimal die Woche für sportliche Betätigung und die dritte Gruppe machte beides, d.h. trieb Sport und nahm das Medikament. Nach vier Monaten zeigten alle drei Gruppen ein nahezu gleiches Ausmaß an Stimmungsverbesserung. In einer Nachfolgeuntersuchung weitere sechs Monate später berichteten deutlich weniger Teilnehmer aus der Sportgruppe über Wiederkehr der als Teilnehmer aus den anderen beiden Gruppen. Nun sind weitere Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Sport und Depression geplant.

Sport hatte gleichen Heilungseffekt wie Medikament

Der Leiter der Wissenschaftergruppe, Psychologe James A. Blumenthal sagt, die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll das mäßige sportliche Betätigung die gleiche positive Wirkung gegen Depressionen haben kann wie das populäre Medikament Zoloft. An dieser Studie durften nur Patienten teilnehmen, die von Ärzten als depressiv eingestuft worden waren, wobei die Depression länger als zwei Wochen vorhanden gewesen sein muß. Die Teilnehmer wurden per Zeitungsinserat gesucht. Die Verteilung auf die drei Versuchsgruppen war zufallsbedingt.

In zwei Versuchsgruppen wurde von den Teilnehmern sportliche Betätigung gefordert: Dreimal die Woche 30 Minuten schnelles Gehen, Zimmerfahrrad oder Jogging plus 10 Minuten Aufwärmtraining und 5 Minuten Muskelentspannung zum Abschluß. In einer von den beiden Versuchsgruppen wurde eine Kombinationstherapie durchgeführt, d.h. die Teilnehmer bekamen zusätzlich das Medikament.

Sport war bessere Prophylaxe gegen Rückkehr der Depression

Nach vier Monaten berichteten 66 Prozent der Teilnehmer der Gruppe, die das Medikament einnahm eine deutliche Verbesserung ihrer Stimmungslage. In der Nur-Sport-Gruppe waren es immerhin 60 Prozent und in der Kombinationstherapie-Gruppe 69 Prozent. In allen drei Gruppen konnten also durchaus vergleichbare Erfolge erzielt werden.

Die Forscher wollten anschließend wissen, ob die Depression bei den Versuchsteilnehmern langfristig gebannt bzw. reduziert werden konnte. 133 Teilnehmer setzten daher das für weitere sechs Monate fort. Das erstaunliche Ergebnis: In der Sportgruppe berichteten nur 8 Prozent der Teilnehmer über eine Rückkehr von Symptomen. In der Medikamentengruppe waren es dagegen 38 Prozent und in der Gruppe mit Kombinationstherapie 31 Prozent.

Offene Fragen: Wie wirkt sportliche Betätigung auf das ?

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun mehrere offene Fragen klären:

  1. Warum scheint Sport langfristig besser gegen Depression zu schützen als Medikamente ? Wieso gilt das aber offensichtlich nicht für die Kombinationstherapie? James Blumenthal bietet einige Erklärungen und Hypothesen zu diesen Fragen als Basis für die weiteren Arbeiten an. Er meint, möglicherweise hat das Sportprogramm den Teilnehmern dieser Gruppe das vermittelt, Kontrolle über ihr Leben wiederzuerlangen – ein , das durch die Einnahme von Medikamenten nicht vermittelt wird. Die Wirkung der Kombinationstherapie könnte darunter gelitten haben, daß einige Teilnehmer der Gruppe darüber enttäuscht waren, zusätzlich Medikamente einnehmen zu müssen.
  2. Wodurch bewirkt überhaupt sportliche Betätigung Verbesserung des Seelenzustandes bzw. ist es überhaupt die sportliche Betätigung selbst die zur Verbesserung beigetragen hat? Die Teilnehmer trainierten schließlich in der Gruppe. Denkbar ist also auch, daß die sozialen Kontakte unter den Teilnehmern das ausschlaggebende Moment waren. Da die Teilnehmer per Zeitungsinserat gesucht worden waren, hatten sich natürlich auch nur für sportliche Betätigung motivierte Menschen gemeldet. Das Ergebnis kann daher auch durch diese Auswahltechnik verfälscht worden sein.
  3. Wirkt Sport bei jungen Menschen genauso wie bei älteren? Laut Statistik sind in den ca. 40 Prozent aller Patienten mit depressiven Erkrankungen älter als 45 Jahre. Bei vielen älteren Patienten spielen bei der die Gefühle aufgrund des Alters wertlos bzw. nutzlos zu sein eine große Rolle sowie Einsamkeitsgefühle nach dem Tod des Lebenspartners oder nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben. Die sportliche Betätigung in der Gruppe erhöht einerseits das körperliche Leistungsgefühl, verbessert die Gesundheit (Blutdruckregulierung, Herzstärkung, Sauerstoffversorgung…) schafft dadurch Selbstvertrauen und vermittelt die fehlenden sozialen Kontakte. Allein dadurch könnte sich die Depressionserkrankung der Teilnehmer an der Studie gebessert haben. In einer weiteren Untersuchung soll daher auch die Wirkung von Sport bei jüngeren Depressionspatienten überprüft werden und ob die positive Wirkung auch dann eintritt, wenn die Teilnehmer die sportliche Betätigung allein zu Hause durchführen.

Quellen für diesen Artikel:
Duke-Universität
www.psycport.com