Warnzeichen – Symptome der Entwicklung zur Gewaltbereitschaft

wird mit der Absicht ausgeübt, jemanden zu verletzen. Es ist eines der Hauptthemen, mit dem sich Kinder und heutzutage auseinandersetzen müssen. Schulmassaker wie in Columbine, Colorado wo im April 1999 zwei 12 Mitschüler und einen Lehrer erschossen, sind nur traurige Höhepunkte einer besorgniserregenden ”Alltags-”: In Amerika wird jedes Jahr statistisch gesehen 1 von 12 Schülern in den High-Schools (9. bis 12. Klasse) mit einer Waffe bedroht oder verletzt. Kinder und im Alter von 12 bis 24 Jahren haben das höchste Risiko im Vergleich zu anderen Altersgruppen in der Gesamtbevölkerung Opfer einer Gewalttat zu werden.

Im deutschsprachigem Raum ist die Situation bei weitem nicht so dramatisch, aber die Anzahl von gewalttätigen Übergriffen durch in der Kriminalstatistik steigt – wenn auch längst nicht in dem Ausmaß, wie es oft in den Medien dargestellt wird. Man sollte hier allerdings auch deutlich unterscheiden zwischen amtlich gewordener Jugendkriminalität und der allgemeinen Art und Weise, wie Konflikte zwischen Jugendlichen ausgetragen werden. Während die offiziellen Zahlen nicht auf extreme Steigerungen in der Jugendkriminalität hinweisen, wird nach Aussagen von Pädagogen und Sozialarbeitern das Klima unter Jugendlichen ”brutaler”. Es wird noch auf bereits am Boden liegende Kontrahenten eingetreten, die Messer sitzen lockerer … solche Aussagen sind nur Stimmungsberichte, nicht durch Zahlen untermauerte . Eine der wenigen Zahlen, die es zum Klima an den Schulen gibt: 1993 gaben bei einer Befragung in Berlin ein Viertel der Schüler an, zum Selbstschutz irgendeine Art von Waffe mit zur Schule zu nehmen. (Dettenborn, Pädagogik und Schulalltag, 48, 175-185)

Ursachen für das Entstehen von in Jugendlichen

Es ist nicht möglich, einen einzigen Grund für die Zunahme der zu nennen. Viele Faktoren spielen mit:

  • In einer gewaltvollen Umgebung zu leben, d.h. Zeuge häuslicher zwischen Eltern oder Geschwistern zu sein,
  • selbst als kleines Kind Opfer von oder sexuellem Mißbrauch geworden zu sein,
  • Vernachlässigung,
  • unkontrolliertenZugang zu gewalthältigen Fernsehprogrammen und Videospielen haben und diesen intensiv nutzen,
  • Zugang zu Waffen haben,
  • Bedürfnis nach Aufmerksamkeit,
  • geringes Selbstbewußtsein,
  • Gruppendruck durch Gleichaltrige (Ganggewalt)….

drastisch erhöht, wenn zwei der folgenden drei Faktoren zusammentreffen: der erlebt soziale Benachteiligung seiner Familie (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Ausländerfeindlichkeit), seine Zukunftschancen sind aufgrund niedriger Schulbildung eingeschränkt und/oder der hat in seiner Familie Erfahrungen mit sammeln müssen (selbst geschlagen oder mißhandelt worden oder als Zeuge von Mißhandlungen).

wird als ”einzige Lösung” in Konflikten gesehen

Wer solchen Faktoren immer wieder ausgesetzt ist, bei dem bildet sich mit der Zeit ein typisches Gedankenmuster heraus: ist die beste Lösung eines Konfliktes, ist legitim, Gewaltanwendung ist gerechtfertigt, das Opfer verdient es….. (Ron Slaby, habit of thought model, 1995). Sehr oft haben Menschen, die auf Konflikte mit reagieren, Probleme, ihre Wutgefühle zu kontrollieren. Das kann daran liegen, daß sie selbst von anderen verletzt wurden – körperlich oder auch ”nur” psychisch. Einige verwechseln die Angst, die andere vor ihnen haben, mit Respekt. Sie glauben, durch werden sie stärker geachtet. Das stimmt natürlich nicht. Im Gegenteil: Jemand, der zur greifen muß, um sich durchzusetzen, verliert Respekt.

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Wer bei einem Mitschüler oder bei seinem Kind folgende Anzeichen bzw. Veränderungen bemerkt, sollte aufmerksam werden:

  • häufige Wutausbrüche
  • immer wieder in Raufereien verwickelt werden
  • Neigung zu Vandalismus
  • deutliche Zunahme des Alkoholkonsums,/li>
  • riskantes Verhalten, in Kauf nehmen von Verletzungen
  • über geplante Gewalttaten reden (jemanden zusammenschlagen wollen etc)
  • andere bedrohen
  • Tierquälerei
  • Waffen tragen

Treten folgende Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum auf, ist bereits ”Feuer am Dach”:

  • seit Jahren immer wieder auftretende Probleme mit aggressivem Verhalten (agressives, gewaltbereites Verhalten läßt sich sogar oft bis in den Kindergarten zurückverfolgen)
  • Alkoholmißbrauch
  • Zugehörigkeit zu einer Jugendgang
  • Zugang zu Waffen
  • vernarrt sein in Waffen
  • andere regelmäßig bedrohen
  • deutliche Probleme, Ärger zu kontrollieren
  • Rückzug von Freunden und gewohnten Aktivitäten
  • sich zurückgewiesen und einsam fühlen
  • selbst ein Opfer von ‘bullying’ (gezielten Schikanen von Mitschülern) gewesen zu sein
  • Schwierigkeiten in der Schule, Lernschwierigkeiten
  • häufig disziplinäre Probleme mit Eltern und Lehrer
  • sich nicht respektiert fühlen
  • Probleme, die Gefühle und Rechte anderer zu respektieren

Was Kinder und tun können, wenn Sie diese bei einem Mitschüler entdecken:

Zunächst einmal: an die eigene Sicherheit denken. Nicht allein mit jemanden sein, der diese zeigt.

Wenn es ohne Selbstgefährdung möglich ist, dann könnt ihr versuchen den betroffenen Mitschüler aus der ärgererregenden Situation herauszubringen. Erzählt jemandem, dem ihr vertraut, von eurer Besorgnis. Das kann ein Familienmitglied sein, ein Lehrer, der Schulpsychologe, ein Trainer, Pfarrer oder einfach ein Freund.

Wenn ihr fürchtet, selbst Opfer einer gewalttätigen Handlung zu werden, dann geht zu jemanden um Hilfe, der euch beschützen kann. Versucht nicht, das Problem ebenfalls durch zu lösen oder sich vielleicht sogar noch zu bewaffnen.

Es wird immer wieder vorkommen, daß man über jemanden wütend ist. Ärger und Frustration rechtfertigen aber auf keinen Fall . Ärger ist zwar ein starkes Gefühl, das man nicht immer im Griff hat, aber man kann lernen, besser damit umzugehen:

  • Zunächst einmal: über Gefühle sollte man sprechen. Manchmal ist es schwer, die richtigen Worte zu finden, um zu beschreiben, was in einem vorgeht. Aber auch dabei kann ein guter Freund helfen und manchmal sieht man dann selbst klarer, warum man sich überhaupt geärgert hat.
  • Man sollte immer versuchen, so ruhig wie möglich über seine Enttäuschung, seinen Zorn oder sein verletztes Gefühl zu sprechen.
  • Es ist auch sehr wichtig, anderen Menschen zuzuhören, selbst wenn sie Kritik aussprechen. – Manchmal ist es wirklich von Vorteil, wenn man Dinge von einer anderen Seite betrachten kann.
  • Lernen in Konfliktfällen nach alternativen Lösungen oder Kompromissen zu suchen

Was tun, wenn man für gewalttätiges Verhalten bei sich selbst entdeckt?

Ganz wichtig: Hilfe für sich selbst suchen. Wer spürt, daß er seinen Ärger nicht gut kontrollieren kann und befürchtet, er könnte andere Menschen einmal verletzen, kann Hilfe bei Psychologen, Psychiater oder Therapeuten finden. , die nicht wissen, an wen sie sich wenden können, sollten mit einem Erwachsenen ihres Vertrauens sprechen und diesen um Unterstützung bei der Suche nach professioneller Hilfe bitten.

Maßnahmen, die man selbst durchführen kann, um den Zorn besser zu beherrschen:

  • Konzentration auf die Atmung und einige Male langsam und tief ein- und ausatmen
  • Die Augenschließen und an angenehme Situationen denken, sich ablenken
  • Zu sich selbst sagen: ‘Ruhig bleiben’ oder ‘Ich muß mich nicht selber beweisen’ oder ‘So wichtig ist das nicht’
  • An die Konsequenzen von möglichen Reaktionen denken
  • Versuchen, das Verhalten des anderen nicht als feindlich zu sehen. Andere, neutrale Erklärungen für dessen Verhalten suchen.
  • Das Ziel sollte sein, das Problem zu lösen, nicht die andere Person zu besiegen

Quelle: Seminar ”Gewaltprävention in Amerika” von Dr. Ron Slaby, Harvard Universität, Cambridge und Broschüre “Warning Signs” der American Psychological Association


Zahlen und Fakten zum Thema Gewalt und Jugendliche:

Vorbemerkung: Der leichte Zugang zu Schusswaffen in den USA selbst für Kinder hat natürlich auch Einfluß auf die Art der Delikte, die von Kindern und begangen werden – und und Kinder werden dadurch auch deutlich häufiger Opfer von Gewalttaten. Nur eine Zahl zum Vergleich: In den USA sterben pro 100 000 junge Männer im Alter von 15 bis 24 Jahren 22 durch Mord/Totschlag, in Deutschland dagegen etwa 2. (Quelle: National Center for Health Statistics)Zahlen aus den USA:

  • Jeder 2. US-Teenager hat bis zum 17. Geburtstag irgendwann einmal mit einer Schusswaffe gefeuert.
  • 10 % der Schüler geben an, daß sie in ihrer Schule Schusswaffen bei jemanden gesehen haben
  • 1997 wurden mehr als 6000 Schüler wegen Mitnahme einer Schusswaffe von der Schule verwiesen
  • 20% der Schüler geben zu, zeitweise bewaffnet (Pistole, Messer, Schlagstock) zur Schule zu gehen.
  • Im Schuljahr 1996/97 haben 10% der Schulen zumindest einmal eine ätige Auseinandersetzung polizeilich gemeldet.
  • 1996 wurden 2900 wegen Mordes verhaftet.
  • 16 Kinder und sterben in den USA pro Tag durch Schusswaffen
  • 123 000 Kinder und werden jedes Jahr wegen ätiger Verbrechen verhaftet.
  • Die Zahl der Kinder, die durch Schusswaffen jährlich verwundet werden, hat sich seit 1986 verdreifacht.
  • Die Hälfte aller Opfer von schweren Gewalttaten sind Personen unter 25 Jahre.
  • Die Zahl der Teenager-Selbstmorde (15 – 19 Jahre) pro Jahr hat sich seit 1970 verdreifacht
  • Selbstmord ist die dritthäufigste Todesursache für junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.
  • Etwa 5000 Kinder sterben jährlich in den USA durch Mißhandlung und Vernachlässigung durch die Eltern.

(Zahlen stammen aus einem Informationsblatt zur Gewaltprävention der American Psychological Association und aus einer Publikation der American Academy of Child and Adolescent Psychiatry)

Zahlen aus Österreich und Deutschland:

  • Die Zahl der Gewaltdelikte von 10 bis 14jährigen Kindern hat sich in Österreich zwischen 1990 und 1995 mehr als verdoppelt
  • Der Anteil angezeigter Jugendlicher und Kinder an allen einer kriminellen Tat Verdächtigen ist seit Anfang der 90iger Jahre in Österreich von rund 11 Prozent auf rund 16 Prozent gestiegen.
  • Im 1. Halbjahr 1999 wurden 225 Wiener Schüler (von 200 000) polizeilich angezeigt. Dreiviertel wegen Diebstahl, Körperverletzung folgt auf Platz 2.
  • Laut einer Untersuchung des bayrischen Justizministeriums hat ein durchschnittlicher 14-Jähriger bereits circa 14 000 Todesszenen in Filmen gesehen.
  • In einer Schülerbefragung in Hessen gaben 1997 5 Prozent der befragten Schüler zu, andere Schüler bedroht oder verprügelt zu haben.
  • In einer Befragung in Berlin (1993) gab jeder 4. Schüler an, zumindest zeitweise Gegenstände zu seiner Verteidigung bei sich zu tragen
  • Im Bundesland Brandenburg war 1996 jeder dritte Tatverdächtige ein Juendlicher unter 21 Jahren, bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung betrug der Anteil Jugendlicher unter den ermittelten Tatverdächtigen sogar fast 50 Prozent.
  • Zwischen 1998 und 1997 hat sich die Zahl polizeilich registrierter Gewaltkriminalität Jugendlicher in Westdeutschland mehr als verdreifacht. Ein großer Teil dieses Anstiegs ist lt. einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen allerdings auf die gestiegene Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung zurückzuführen.
  • Schätzungsweise zwischen 20 000 und 40 000 Kinder werden jährlich in Deutschland Opfer elterlicher .
  • Bei einer Befragung von insgesamt fast 13 000 Schülern der 9. Schulstufe in mehreren deutschen Städten 1998 berichteten nur 44,4 % der Jugendlichen, daß sie in ihrer Kindheit bis zum 12. Lebensjahr nicht von ihren Eltern geschlagen wurden. 29,4 % erlebten leichte körperliche Züchtigungen, 16,5 % wurden von den Eltern schwer gezüchtigt (mit Gegenständen geschlagen, häufige Prügel) und 9,8 % waren Opfer elterlicher Mißhandlungen.
  • 15,2 Prozent der Jugendlichen gaben an, allein in den vergangenen 12 Monaten vor dieser Befragung Opfer massiver elterlicher gewesen zu sein. Außerhalb der Familie hatten in diesem Zeitraum ‘nur’ 12 Prozent eine Körperverletzung mit oder ohne Waffen durch Täter erlebt.

 

(Zahlen stammen aus Berichten der österreichischen Tageszeitung “Standard”, aus einer Veröffentlichung der Polizei Brandenburg und aus dem Thesenpapier : ‘Zur Struktur und der Jugendgewalt in Deutschland’, Christian Pfeiffer und Peter Wetzels, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen.)