Gehirnregion identifiziert, die bei Hyperaktivität zu wenig aktiv ist!

Forschern am Krankenhaus in Belmont, Massachusetts ist es gelungen eine Schlüsselregion im Gehirn zu finden, die bei Kindern mit (-/) zu wenig aktiv ist. Sie haben dafür ein neues von ihnen entwickelten Abbildungsverfahrens für Gehirnaktivitäten eingesetzt, die sogenannte funktionale Magnetresonanz-Abbildung. Das Ergebnis wird als Beweis für eine biologische Basis von gewertet und bringt auch Erkenntnisse über die Wirkungsweise des in den oft verschriebenen Medikaments .

An der Studie nahmen 17 Jungen teil, 11 davon waren mit ADHD diagnostiziert. ADHD ist die am häufigsten bei Kindern diagnostizierte psychische Störung. Kriterien für die Diagnose lt. dem Diagnoseschema DSM IV sind verschiedene von Unaufmerksamkeit, und Impulsivität. Aufgrund der Bandbreite der Symptome zeigen betroffene Kinder recht unterschiedliches Verhalten. So können z.B. die Symptome der Unaufmerksamkeit überwiegen ohne Vorhandensein der als “” bezeichneten motorischen Unruhe. Die Forscher im McLean Krankenhaus haben daher bei den 11 Jungen mit ADHD zunächst mithilfe eines Infrarot-Bewegungs-Analyse-Systems den Grad der untersucht. Sechs der 11 wurden danach als hochgradig hyperaktiv eingestuft. Anschließend erfolgte die funktionale Magnetresonanz-Abbildung der Gehirnaktivitäten. Dabei zeigte sich eine verminderte Durchblutung des Putamen, eine , die zum extrapyramidalmotorischem System (steuert nicht bewußt ausgeführte Bewegungen, wie ) gehört. Die Durchblutung war um so geringer, je motorisch unruhiger das Kind war. Unter Einnahme von Ritalin erhöhte sich die Aktivität im Putamen bei den sechs Jungen mit den höchsten Werten für . Bei den anderen fünf mit geringeren Hyperaktivitätswerten kam es unter Ritalineinnahme dagegen sogar zu einer weiteren Reduzierung der Durchblutung.

Der Original-Artikel ist in der April-Nummer des US-Magazins ‘Nature Medicine’ erschienen. Autoren d. Studie sind: Martin Teicher, Carl Anderson, Ann Polcari, Carol Glod u. Perry Renshaw. Das McLean Krankenhaus ist der Harvard Medical School angeschlossen.




ADHD und Jugendliche: Kombination von Medikament und Verhaltenstherapie effektiv

Die Standardtherapie für Schulkinder mit (Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstoerung) ist in den und zunehmend auch in europäischen Staaten die Gabe von Medikamenten wie – um nur das bekannteste zu nennen. Bisher ist aber wenig darüber bekannt, ob der Inhaltsstoff von , Methylphenidat, auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wirkt. In der Juniausgabe der Zeitschrift “Experimental and Clinical Psychopharmacology”, die vom amerikanischen Psychologenverband herausgegeben wird, werden nun erstmals Ergebnisse eines Forschungsprojekts über die Effizienz einer -Behandlung von Jugendlichen in Kombination mit verhaltenstherapeutischen Interventionen veröffentlicht. Demnach verbesserten sich die schulischen Leistungen bei etwa 80 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden Jugendlichen.

Das Schwergewicht der ADHD-Forschung lag bisher bei Verhaltensproblemen, wie aggressives und impulsives Verhalten, Stören im Unterricht und Bewegungsunruhe. Je älter die Kinder werden, desto belastender werden allerdings häufig wie Konzentrationsprobleme, Tagträumerei und daraus resultierend Schwierigkeiten Hausaufgaben und Schulprojekte zielgerichtet durchzuziehen. Die US-Wissenschaftler Steven Evans, William Pelham und Bradley Smith von der Universität Pittsburgh bezogen daher die Lernleistung der Jugendlichen in ihre Studienergebnisse mit ein. Insgesamt nahmen 45 an der 8 Wochen dauernden Untersuchung teil. Jeder Teilnehmer bekam in Zufallsreihenfolge jeden Tag eine andere Dosis (25 mg, 50 mg und 75 mg, verteilt auf drei Einzelgaben) des Medikaments Methylphenidat bzw. ein Placebo. Außerdem nahmen die Jugendlichen täglich an diversen Verhaltensübungen teil, um mehr Selbstkontrolle zu lernen.

Die Ergebnisse zeigten, daß zwei Drittel der Teenager deutliche akademische Leistungsverbesserungen an den Tagen zeigten, an denen sie eine 25 mg Dosis Methylphenidat erhalten hatten im Vergleich zu den Placebotagen. Die Studie zeigte aber auch, daß eine Dosiserhöhung nicht mit noch größerer Leistungs- und Verhaltensverbesserung gleichzusetzen ist. Im Gegenteil, manche Jugendlichen reagierten auf die Höchst-Tagesdosis von 75mg Ritalin sogar mit einer Leistungsverschlechterung. Von dem Drittel der Jugendlichen, die auf die 25 mg Dosis überhaupt nicht angesprochen hatten, zeigte nur etwa die Hälfte Leistungsverbesserungen bei einer Verdoppelung auf 50 mg.

William Pelham weist in einer Presseaussendung über den Forschungsbericht ausdrücklich auf die Wichtigkeit dieses Ergebnisses hin. Er meint, es gäbe in den USA etliche Psychiater, die glaubten, man müsse nur die Dosis erhöhen um größere Erfolge zu erzielen. Seine in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen durchgeführte Studie hätte nun gezeigt, daß diese Annahme falsch sei und daher sollte in Anbetracht der Tatsache, daß nur wenig über Langzeitfolgen bekannt sei, die Gesamtmenge an psychoaktiven Medikamenten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens einnimmt, so gering wie möglich sein.

Die Original-Presseaussendung ist nachzulesen unter www.apa.org. Der komplette Text des Artikels wird ab 13. Juni unter www.apa.org veröffentlicht.




Hoffnung auf medizinischen Test für ADHD

Aufgrund jüngster Forschungsergebnisse besteht Aussicht auf die Entwicklung eines objektiven medizinischen Tests zur Diagnose von ADHD (Aufmerksamskeits-/ , auch ADD, oder HKS genannt). Die derzeit vorhandenen Diagnoseverfahren wie psychologische Tests, Familienanamnese und Beobachtung des Kindes werden in den USA immer häufiger als unzureichend bezeichnet. Verhaltensprobleme eines Kindes würden zu rasch als ADHD oder diagnostiziert und in weiterer Folge zu häufig mit Medikamenten als ‘Quick fix’ behandelt lautet die Kritik.

Das US Biotechnologie Unternehmen Boston Life Sciences Inc. hat kürzlich die Resultate einer Untersuchung veröffentlicht, wonach bei ADHD-Patienten mithilfe eines nuklearmedizinischen Verfahrens ein Ungleichgewicht des chemischen Botenstoffes Transporter (DAT) im Gehirn nachgewiesen werden kann. Diese Untersuchung bedeutete den erfolgreichen Abschluß der 2. Testphase. In den USA sind drei Testphasen vorgeschrieben, bevor ein Unternehmen die Vermarktung eines Produkts bei der zuständigen Behörde, der Food and Drug Administration, beantragen kann. Die abschließende 3. Testphase für das neue Diagnoseverfahren soll im Sommer beginnen.

In den letzten zehn Jahren stieg in den USA die Zahl von Kindern diagnostiziert mit ADHD von 900 000 auf 5,5 Millionen. Die Behandlung besteht neben Therapie bei vielen Kindern in Verschreibung von Medikamenten. Das bekannteste ist mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Nach Angaben des International Narcotics Control Board werden 90 % des Methylphenidat Konsums in der Welt allein in Amerika getätigt. Etwa 10 bis 12 Prozent von amerikanischen Schuljungen nimmt nach offiziellen Schätzungen . Obwohl auch von Kritikern nicht bestritten wird, daß das bei den meisten von ADHD betroffenen Kindern eine Verbesserung der Verhaltensproblematik zeigt, wird in Zweifel gezogen, daß es für alle Kinder gleich gut geeignet sei. So würden z.B. nur 76 % der Kinder mit der ADHD-Unterform ‘unaufmerksamer Typus’ auf Ritalin ansprechen. Weiters wird die Diagnose ADHD selbst in Zweifel gezogen. Zu häufig werden Stressymptome und nach belastenden Lebensereignissen wie eine Scheidung der als Hyperaktivität diagnostiziert und mit Medikamenten behandelt, obwohl hier mit Psychotherapie allein ebenfalls gute Behandlungsergebnisse erzielt werden könnten, lautet die Kritik. Vor dem dieser Diskussion könnte ein objektiver medizinischer ein gut vermarktungsfähiges Produkt sein.

Das Bio-Tech Unternehmen Boston Life Sciences Inc. hofft, diesem Produkt nahe zu sein. Die Resultate der Phase II Untersuchung hätten bestätigt, daß bei ADHD-Patienten ein chemisches Ungleichgewicht des Dopamin im Gehirn besteht. Die Wirkungsweise von Methylphenidat besteht darin, daß es die Dopamin Transporter im Gehirn blockiert, wodurch die Konzentration des ansteigen kann. (Mehr über die Wirkungsweise von Methylphenidat). Im Rahmen der Testentwicklung scheint es nun gelungen zu sein, ein Verfahren zu finden mit dem nachgewiesen werden kann, daß bei dem jeweiligen Patienten tatsächlich eine erhöhte Anzahl dieser Transporter vorhanden ist, sodass der Einsatz des Medikaments sinnvoll erscheint. Bei diesem Verfahren wird dem Patienten der Wirkstoff Altropane gespritzt, der die Eigenschaft hat, sich im Gehirn an die Dopamin Transporter anzubinden. Vor der Injektion wird Altropane durch Gamma-Bestrahlung radioaktiv gemacht, sodass seine Verteilung anschließend mithilfe der nuklearmedizinischen Diagnosemethode SPECT (Single Photon Emission Computed Tomographie) nachvollzogen werden kann. An der Phase II Untersuchung nahmen insgesamt 40 Erwachsene teil, die Hälfte davon waren ADHD Patienten. Bei diesen Patienten wurden erheblich erhöhte Konzentrationen von Dopamin Transportern im Gehirn im Vergleich zur Kontrollgruppe gefunden. Boston Life Science Inc. will nun im Sommer mit der abschließenden dritten Phase der Untersuchung beginnen und danach, bei erneut positiven Resultaten, um die Erlaubnis zur Vermarktung des Testes bei der US Food and Drug Administration ansuchen.

Quellen: www.boston.com 13.3.2001; www.bostonlifesciences.com




Neue Forschungsergebnisse erweitern Verständnis über Wirkung von Ritalin

In den ist das am häufigsten verschriebene in der Behandlung von (Attention Deficit , dt.: Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätstörung). Der Wirkstoff in Ritalin ist Methylphenidat. Obwohl Ritalin schon seit Jahrzehnten im Handel ist, ist die Wirkung von Methylphenidat auf das Gehirn bisher nur in groben Zügen bekannt.

So haben z.B. Forschungsarbeiten gezeigt, daß bei intravenöser Applikation Methylphenidat den Transportmechanismus DAT des Neurotransmitters Dopamin (siehe Glossar am Ende des Artikels) blockiert, wodurch die Dopaminkonzentration im Gehirn steigen kann. Es war aber nicht bekannt, inwieweit die üblicherweise bei ADHD oral eingenommenen therapeutischen Mengen (in den USA häufig 10 – 20 mg/ 2-4 mal täglich) ebenfalls zu einer signifikanten Änderung des -Levels führt.

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die vielfältige Aufgaben im Rahmen der Signalübertragung im Gehirn ausführen. Von Dopamin wird angenommen, das es eine wesentliche Rolle für die Motivations- und Konzentrationsfähigkeit spielt.

Einem Forscherteam aus New York unter Leitung von Dr. Nora D. Volkov ist nun erstmals gelungen, die Änderung des Dopamin-Levels nach der Einnahme von Methylphenidat-Tabletten zu messen. Dabei zeigte sich, daß der Wirkstoff auch bei oraler Einnahme den Transportmechanismus blockiert (im Versuch zu 50 – 75 %) und dadurch zu der angestrebten Erhöhung der Dopamin-Konzentration beiträgt. Diese Erhöhung fiel allerdings bei den Testpersonen in recht unterschiedlichem Ausmaß aus. Die Ursache dafür soll noch weiter untersucht werden, da hier die Antwort dafür liegen könnte, warum das Medikament nicht bei allen Patienten (gleich) wirkt. Der Bericht über die Forschungsarbeit ist in der Januarausgabe des “Journal of Neuroscience” veröffentlicht worden und im Original (englischsprachig) nachzulesen unter www.jneurosci.org/cgi/content/full/21/2/RC121.

Das Ergebnis des New Yorker Forscherteams paßt zu anderen Forschungsergebnissen, die bei ADHD Patienten eine erhöhte Tätigkeit des Transportmechanismus DAT gefunden haben, wodurch der Botenstoff Dopamin zu schnell aus den Zellen entfernt wird. An der Untersuchung nahmen 11 Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren teil. Die Testpersonen litten nicht unter ADHD. (Die Wissenschafter meinen, daß es keinen Grund gibt daran zu zweifeln, daß die Dopamin-Konzentration auch bei ADHD-Patienten nach Einnahme von Methylphenidat steigt. Das Ausmaß dieser Steigerung könnte allerdings unterschiedlich sein. Auch müsse noch durch weitere Forschungsarbeiten geklärt werden, ob die Wirkung des Medikaments auf den Transportmechanismus DAT bei dauerhafter Anwendung nachläßt.) Die Wirkung von Methylphenidat wurde Mithilfe des Abbildungsverfahrens PET (Positronen- Emissions- Tomographie) im Striatum, einem Teil des Endhirns, gemessen.

Die Ergebnisse dieser Studie haben zusätzliche Erkenntnisse über die Wirkung von Ritalin bei mißbräuchlicher Verwendung durch Drogenkonsumenten gebracht. Manche sind in jüngster Zeit durch Medienberichte über Ritalineinnahme als aufputschende Droge verunsichert worden und fürchten, daß ihre Kinder süchtig werden könnten. Da ich in meiner Beratungspraxis immer wieder Anfragen zu diesem Thema bekomme, möchte ich abschließend noch auf diesen Aspekt der Studie eingehen:

Bei mißbräuchlicher Verwendung der stimulierenden Wirkung von Ritalin als Droge wird der Wirkstoff meist gespritzt. Die Einnahme als Tablette hat offensichtlich nicht den gleichen von Drogenkonsumenten erwünschten Effekt. Aus dieser Beobachtung ergibt sich die – auch für die Behandlung von ADHD relevante – Frage, ob der Wirkstoff Methylphenidat möglicherweise bei oraler Einnahme nicht bzw. zu wenig wirkt. Die Forscher führen in ihrem Bericht im Journal of Neuroscience an, daß die Dopaminkonzentration bei oraler Einnahme im vergleichbarem Ausmaß zur intravenösen Applikation steigt. Trotzdem hätten die Testpersonen kein “High”-Gefühl berichtet, wie Testpersonen in früheren Studien, die den Wirkstoff intravenös verabreicht bekamen. Das führen die Wissenschafter auf die unterschiedliche Zeitspanne bis zur vollen Wirkung zurück. Nach der intravenösen Applikation steigt die Dopaminkonzentration innerhalb weniger Minuten, bei oraler Einnahme dauert es circa 1 Stunde, bis die volle Wirkung erreicht ist und dieser längere Zeitraum gibt den Körper die Gelegenheit zur langsamen Anpassung.

Quelle: Journal of Neuroscience, Januar 2001

<>Titel:Therapeutic Doses of Oral Methylphenidate Significantly Increase Extracellular Dopamine in the Human Brain,

Autoren: Nora D. Volkow1, 3, Gene-Jack Wang1, Joanna S. Fowler2, Jean Logan2, Madina Gerasimov2, Laurence Maynard1, Yu-Shin Ding2, Samuel J. Gatley1, Andrew Gifford1, and Dinko Franceschi1(Departments of 1 Medical and 2 Chemistry, Brookhaven National Laboratory, Upton, New York and 3 Department of Psychiatry, State University of New York at Stony Brook.).

Glossar:

Neurotransmitter: Chemische Substanzen, die an den Synapsen (Endungen von Nerven) freigesetzt werden und bei der Kommunikation der Neuronen vermittelnd eingreifen. Sie haben also die Funktion eines Botenstoffes.

Dopamin: Signalübertragungsstoff (Neurotransmitter). Im zentralen Nervensystem beeinflußt es emotionale und geistige Reaktionen und steuert Bewegungsentwürfe, z.B. die Mimik. Störungen im Dopaminhaushalt werden bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet bzw. vermutet: So ist z.B. die Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) auf einen Dopaminmangel in bestimmten Bereichen des Gehirns zurückzuführen. Auch bei Schizophrenie dürfte ein Ungleichgewicht im Vergleich zum gesunden Menschen vorliegen. Neben seiner Funktion als erregender Neurotransmitter ist das Dopamin als Vorstufe des Noradrenalin und Adrenalin von Bedeutung.

Corpus Striatum: Das Corpus Striatum ist der größte, zu den Basalganglien gehörende Kernkomplex des Endhirns. Das Corpus Striatum besteht aus dem nucleus caudatus und dem nucleus lentiformis. Der nucleus lentiformis wird in Putamen und Pallidum unterteilt (über die Bedeutung des Putamen in Zusammenhang mit ADHD lesen sie hier). Das Corpus Striatum stellt die zentrale subkortikale Schaltstelle des extrapyramidal motorischen Systems dar.




USA: Richter erzwingen Ritalin-Einnahme

In Albany im US-Bundesstaat New York müssen Eltern ihrem siebenjährigen auf richterliche Anordnung weiterhin zur Behandlung seiner Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) geben. Das ist kein Einzelfall behördlicher Intervention gewesen: Auch ein anderes Ehepaar im Bundesstaat New York berichtet über eine Untersuchung von Jugendschutz-Sozialarbeitern nach einer Anzeige wegen “medizinischer Vernachlässigung”. Auch dieses Ehepaar hatte bei ihrem Sohn wieder abgesetzt, da er unter Nebenwirkungen litt. Außerdem mehren sich Berichte von Druck seitens Lehrer auf Eltern, ihre unter ADS bzw. Hyperaktivität leidenden Kinder medizinisch behandeln zu lassen. Eltern, die sich weigern, bekommen oft den Vorwurf “Kindesmißbrauch” zu hören.

Untersuchungsberichte unterstützen Medikamenteneinnahme

Dies alles passiert vor dem immer neuer Berichte und Untersuchungsergebnisse über die Effektivität der Ritalin-Behandlung. So hat das National Institute of Health erst kürzlich einen Forschungsbericht veröffentlicht, wonach Kinder mit ( Disorder), die Medikamente nehmen in erheblich kürzerer Zeit Handlungs-Entscheidungen treffen können als Kinder mit , die keine Medikamente bekommen.

Nach Auskunft der US-Akademie der Kinderärzte sind 3,8 Millionen amerikanische Schulkinder mit ADS/ADHD diagnostiziert worden und zumindest 2 Millionen von ihnen werden mit Ritalin behandelt, zum Teil in Kombination mit Verhaltenstherapien. Der Rest bekommt andere Medikamente, wird nur mit Verhaltenstherapien oder auch mit anderen Therapien behandelt.

Sollen Eltern über Medikamenteneinnahme allein entscheiden können?

Die Frage, ob man Eltern die Entscheidung über die Medikamenteneinnahme ihrer Kinder aufzwingen darf, wird von Psychologen und Ärzten unterschiedlich beantwortet. Einige meinen ‘ja’ mit Hinweis auf die Wirksamkeit der Medikamente, den schwerwiegenden Folgen einer Nichtbehandlung und vergleichbaren anderen Zwängen wie den in den USA üblichen Pflichtimpfungen vor . Andere sagen ‘nein’ und begründen das unter anderem mit nach wie vor fehlenden Untersuchungen über die Langzeitfolgen von Ritalin und anderen Medikamenten gegen ADS/ADHD.

Quelle: ‘USA TODAY’, 8. August 2000, National Institute of Health (www.nih.gov) und American Academy of Pediatrics (www.aap.org)