Cyber-Krankheiten – eine neue Anforderung an Therapeuten!

Neue Krankheiten erfordern neue Therapien. Für die meisten Psychologen und Psychotherapeuten ist die Internet-Sucht aber noch absolutes Neuland. Es gibt weder formale Diagnose-Kriterien, anhand derer Internet-Sucht objektiv festgestellt werden kann, noch spezielle Therapien. Forscher behelfen sich derzeit mit modifizierten Diagnose-Kriterien für Spielsucht und Therapeuten, die zunehmend mit Internet-süchtigen Patienten konfrontiert werden, greifen auf allgemeine Therapieansätze für Suchtkrankheiten zurück.

Dr. Kimberly Young vom “Center for On-Line Addiction” in Pittsburgh, USA hat in einer jetzt veröffentlichten Studie Erfahrungsberichte von Therapeuten erfaßt und ausgewertet. 35 Therapeuten mit im Durchschnitt 9 Patienten mit Internet-Sucht pro Jahr haben an dieser Studie teilgenommen.

Eine der wesentlichsten Erkenntnisse war, daß Internet-Sucht ein ziemlich breites Spektrum von Symptomen und Verhaltensstilen umfaßt: Vom zwanghaften Nutzen der Cyber-Sex-Seiten über übermäßiges Engagement in Online-Beziehungen statt in Real-Leben-Beziehungen bis zur übermäßiger Informationssuche im Web oder exzessivem Spielen von Computer-Games. Als Sucht-Kriterien definierten die Therapeuten: Extreme Internet-Nutzung gepaart mit signifikanten sozialen, psychologischen oder/und beruflichen Unzulänglichkeiten. Betroffende sind vom Internet wie “besessen”, geraten in Angstzustände, wenn sie “off-line” sind und lügen über bzw. verstecken das wahre Ausmaß ihrer Internet-Nutzung. Die Konsequenzen der Sucht sind für die Betroffenen oft verheerend: soziale , zunehmende Depression, Scheidung, Scheitern in Ausbildung oder Beruf, Jobverlust, finanzielle Schwierigkeiten usw. Einige Therapeuten berichteten von Patienten mit Drogen- und Alkoholmißbrauch als Folge der ursprünglichen Internet-Sucht.

Die , die das Netz seinen Benutzern bietet, wird als ausschlaggebender Faktor für die Ausbildung des Suchtverhaltens gewertet:

* Demnach fördert die den Konsum von Cyber-Sex, Kinderpornographie und Suche nach Befriedigung von anderem abweichendem Sexualverhalten. Häufig begann das später zwanghafte Verhalten mit “harmloser Neugierde”, “einmal in diese Seiten hineinschauen, was es dort so gibt”.
* Die hilft sozial ängstlichen bzw. extrem schüchternen Menschen bei der Kontaktaufnahme mit anderen. Sofern sie diese Kontakte als “Übung” für Kontakte im realen Leben nutzen können, bietet das Internet ihnen eine positive Chance. Gefährlich wird es, wenn virtuelle Kontakte reale ersetzen und ohnehin sozial eher scheue Menschen sich noch weiter zurückziehen.
* Die unterstützt “Cyberaffären”, was bei Menschen, die in Beziehungen leben zu ernsthaften Krisen mit dem Partner/ der Partner führen kann.
* Die fördert die Entwicklung einer “Online-Identität”, eines Wunsch-Phantasie-Ichs, und unterstützt damit die Flucht aus der Realität. Dieses Verhalten wurde von den Therapeuten bei Patienten mit Depressionen bzw. psychotischen Erkrankungen festgestellt.

60 % der an der Studie teilnehmenden Therapeuten hatten Klienten betreut, die vor der Internet-Sucht schon an einer anderen Sucht gelitten haben, z.B. ehemalige Alkoholabhängige. In bezug auf die Behandlung hat die Studie gezeigt, daß eine Internet-Suchttherapie nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie auf die spezielle Form der Internet-Nutzung zugeschnitten ist. In Frage kommen u.a. Sexualtherapien, Paartherapien, Familientherapien oder Therapien, die sich auf die Verbesserung der sozialen Fertigkeiten konzentrieren. Eine Checkliste zum Überprüfen ob Sie selbst zu den Betroffenen gehören finden Sie unter: Internet-Sucht: Sind Sie gefährdet?.

Wer noch mehr Informationen möchte, kann mir schreiben: <http://www.privatedaddy.com?q=d3QXT3lJB2psAn1IRVU7DwZbL3MOIwJZcTVR_19>.
Das “Center for On-Line Addiction” findet man unter: www.netaddiction.com.
Und noch mehr Informationen zum Thema “Internet-Sucht”: www.virtual-addiction.com.


Gefangen im Netz: 6 Prozent aller Internet – User sind süchtig!

Sie haben für nichts anderes mehr Interesse, riskieren Ehe und Job, verzichten auf Schlaf und Freundschaften – und sie wissen, daß etwas mit ihnen nicht stimmt. Die Rede ist von Internet-Süchtigen. Surfer, die sich im World Wide Web verfangen haben wie Insekten im Spinnennetz. Zwischen 6 und 10 Prozent aller Internet- erfüllen nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen die Kriterien für Internet-Abhängigkeit. Diese Zahlen wurden auf dem Jahres-Kongreß 1999 des amerikanischen Psychologenverbandes APA präsentiert.

Die größte bisher zu dieser Frage durchgeführte Studie stammt von Dr. David Greenfield, einem Psychologen aus West Hartford in Connecticut. Er hat mehr als 17000 Fragebögen, die mithilfe der Website des Nachrichtensenders ABC an Internet- verteilt wurden, ausgewertet. Die Teilnehmer an dieser Studie haben 36 Fragen beantwortet, z. B. wieviel Zeit sie im Internet verbringen, zu welcher Uhrzeit, welche Teile des Internets benutzt werden, ob es Probleme mit Partnern oder Freunden wegen der langen Sessions gibt, ob sie schon versucht haben, die Sitzungen zu kürzen und wie es ihnen damit gegangen ist und ob sie schon andere in bezug auf die Zeit, die im Internet verbracht wurde, belogen haben. Zur Feststellung der Internet-Sucht wurden Diagnosekritierien der Spielsucht modifiziert.

Das Ergebnis: 6 Prozent der Teilnehmer an der Studien können als “süchtig” bezeichnet werden, weitere 10 Prozent sind “Internet-Mißbraucher” als Vorstufe zur Abhängigkeit.

Diese Zahlen decken sich größenordnungsmäßig mit dem Ergebnis einer anderen Untersuchung von Dr. Keith Anderson, der College-Studenten in New York und Illinois nach ihrem Surf-Verhalten gefragt hat. Er fand einen Anteil von etwa 10 Prozent Süchtigen unter 1200 Studenten, wobei unter Studenten technischer Studienrichtungen deutlich mehr Internet-Süchtige zu finden waren als unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer.

Die Frage ist nun, warum kommt es zur Internet-Sucht. Ist das Netz so attraktiv oder liegt das Problem in den süchtigen Usern selbst. Die Antwort muß lauten: Das Netz ist attraktiv und wer bereits ohne Internet Probleme mit seiner Lebensgestaltung hatte, unter Einsamkeit, Sinnleere, Depressionen, sozialer Ängstlichkeit oder unbefriedigendem Familienleben litt, läuft erhöhte Gefahr, von der scheinbaren “Grenzenlosigkeit” des Web eingezogen zu werden.

Dr. Kimberly Young vom “Center for On- Line Addiction” in Pittsburgh unterscheidet bereits fünf Subtypen von :

* Cybersex- Sucht, d.h. zwanghafter Gebrauch der Webseiten für Cybersex und Cyber-Pornographie.
* Cyberbeziehungs- Sucht. Statt Freundschaften im realen Leben wird die Freizeit mit Freunden in Newsgroups und in Chat-Räumen verbracht.
* Netz-Zwangsverhalten. Besessen sein von Online-Spielen (MUDs), Online-Shopping oder Online-Handel.
* Informations-Überladung. Zwanghaftes Surfen im Web oder zwanghaftes Suchen in Datenbanken.
* Computer- Sucht.

Laut Dr. Youngs Untersuchungen ist die scheinbare Freiheit, die das Internet seinen Benutzern durch die Möglichkeit der bietet, der wesentlichste Faktor, der die Entwicklung von Suchtverhalten begünstigt.

<>In den USA besuchen derzeit immer mehr Psychologen Seminare zur Therapie der Internetsucht. Kein Wunder: Bei mehr als 80 Millionen Amerikanern mit Internet-Anschluß ist immerhin nach diesen Untersuchungen mit einem Anteil von 6 bis 8 Millionen Süchtigen zu rechnen. Und immer mehr Menschen wollen wieder raus aus dem Netz – und suchen Hilfe in Online-Psychologenpraxen.


Cybersex: 200 000 in USA ‘süchtig’ ?

Eine neue ‘Sucht’ wird erforscht: Psychologen der Universitäten Stanford in Kalifornien und in Pennsylvania haben das Surfverhalten von amerikanischen Pornographieseiten-Usern untersucht. Ihr Ergebnis: Etwa 1 Prozent der an dieser Studie teilnehmenden knapp 10 000 Pornoseiten- wurde als süchtig eingestuft. Die Psychologen rechneten daraus hoch, dass bei rund 20 Millionen Menschen in den USA, die regelmässig Cybersex-Seiten aufsuchen, 200 000 süchtig danach sind.

Das Ergebnis dieser Studie wurde in der März-Nummer der psychologischen Zeitschrift “Sexual Addiction and Compulsivity” veröffentlicht. Die Wissenschafter definierten jene als süchtig, die mehr als 11 Stundenwöchentlich mit Surfen auf Pornographieseiten bzw. in entsprechenden verbringen und zusätzlich bei einer Fragebogenuntersuchung Probleme in persönlichen Beziehungen und mit ihrer Einstellung zur Sexualität angaben. Das betraf schließlich 96 unter 9265 Amerikanern, die an dieser Untersuchung teilnahmen, also etwa 1 Prozent.

Weitere Ergebnisse der Studie: 7 von 10 Cybersex-Seiten Usern halten ihr Verhalten vor anderen geheim. Jeder fünfte Mann und jede achte Frau benutzt den Arbeitsplatz-Computer und 70 Prozent des “traffic” auf Porno-Seiten findet zwischen 9 und 17 Uhr statt.

Das Ergebnis dieser Untersuchung wird von anderen Wissenschaftern aufgrund der Art und Weise wie die Untersuchungsteilnehmer ausgewählt wurden in Frage gestellt. Der Fragebogen mit 59 Fragen zum Surfverhalten, persönlichen Beziehungen und zur Sexualität war auf der Nachrichten-Webseite MSNBC zu finden. Jeder, der wollte und angab Sexseiten im Internet aufzusuchen, konnte den Fragebogen ausfüllen. Durch diese Selbst-Auswahl sei es nicht möglich zu sagen, ob die Gruppe der Untersuchungsteilnehmer repraesentativ sei, sagte ein Psychologe der School of Professional Psychology in San Diego.


Internetsucht: Sind Studenten besonders gefährdet?

Unter US-Studenten ist der Anteil von Internetsüchtigen größer als in der Gesamtheit der Internetnutzer. Dr. Kimberley Young vom Center für Online Addiction in Pittsburgh, USA schätzt die Zahl der Betroffenen mit ‘pathologischer Internetnutzung’ (offizielle Bezeichnung, eingeführt durch die American Psychological Association im Jahr 1997) unter Collegestudenten auf 8 bis 14 Prozent gegenüber 6 Prozent unter allen Internetnutzern. Besonders gefährdet sind nach Aussagen von Dr. Young in einem von der US-Nachrichtenagentur U-Wire verbreiteten Artikel Studenten mit Studienproblemen oder Problemen mit ihrem Partner bzw. Freunden.

Die Psychologin gibt zu, daß es oft schwer ist zu unterscheiden, ob tägliches stundenlanges Surfen oder Chatten zwanghaftes Verhalten darstellt oder lediglich Ausdruck großer Langeweile ist. So berichtet James Jolly, ein College-Student über seinen Zimmerkollegen, daß er in jeder freien Minute am Computer sitzt und chattet oder ‘instant e-mails’ schickt: ‘Ich glaube nicht, daß er süchtig ist, er spart nur Geld in dem er den Computer benutzt statt ein Telefon’. (In den USA ist nur eine Grundgebühr für die Modem-Verbindung bzw. Internetanbindung gemeinsam mit Kabel-TV zu bezahlen, die Zeit Online gilt als ‘Ortsgespräch’ und ist mit der Telefon-Grundgebühr abgedeckt.)

Warnzeichen von Internetsucht und Selbsttest

Was sind die Warnzeichen einer ‘Internetsucht’? Internetnutzer, die jede Minute ihrer Freizeit im Web verbringen, ihre Familie und Freunde über das Ausmaß der Online verbrachten Zeit anlügen, bereits Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf wegen ihres Surfverhaltens haben und sich im realen Leben ängstlich oder deprimiert fühlen zeigen typische Warnzeichen und sollten Kontakt mit einem Psychologen oder Therapeuten aufnehmen. Einen kurzen Selbsttest mit weiteren Warnzeichen findet sich auf meiner Homepage. Wer einmal einen amerikanischen Test in Originalform machen möchte, dem sei der Selbsttest des Centers für Online-Addiction empfohlen: http://netaddiction.com/resources/test.htm.

Wissenschafter über besorgt

Dr. Kimberley Young gehört zu den ersten ‘Cyber-Psychologen’ in den USA. Mittlerweile haben etliche andere Wissenschafter dieses Thema entdeckt und springen auf den Zug auf, in dem sie gegenüber Medienvertretern ihre Besorgnis über die Entwicklung äußern. Während sich heutige US-Teenager eine Zeit ohne Computer gar nicht mehr vorstellen können, befürchten Psychologen negative Folgen für die soziale Entwicklung der Gesellschaft: Je mehr die üblichen Teenie-Treffpunkte wie Pizzerias, Skateboard-Bahnen oder Discos durch Aktivitäten im Cyberspace ersetzt werden, desto stärker werden , Einsamkeit und Ungeübtheit in zwischenmenschlichen Kontakten.

Soziologin Sherry Turkle vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston hat kürzlich eine Studie über den Einfluß der interaktiven Computertechnologie auf Selbstidentität und Wertvorstellungen von Teenagern gestartet: ‘Wir wollen nicht nur untersuchen, was der Computer für uns tun kann, sondern auch, was er mit uns anstellt’. Eine ähnliche Studie wird an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh laufen. Sozialpsychologe Robert Kraut meint, er sei besorgt über den ‘hohen Preis an verpaßten Gelegenheiten’ den Jugendliche für ihre Online-Zeit zahlen müssen. In einer früheren Studie (1998) untersuchte Kraut 100 Pittsburgher Familien, die einen Internetzugang besaßen und fand, daß Jugendliche mit ein paar Stunden Internetaktivitäten pro Woche weniger Freunde hatten als andere Jugendliche. ‘Chatten mag besser sein als Fernschauen, aber es ist schlechter, als sich irgendwo mit seinen Freunden real zu treffen’ sagt Robert Kraut.

Viele Jugendliche selbst sehen nichts ungewöhnliches darin, daß der Computer einen zentralen Platz in ihrem sozialen Leben einnimmt. Mittlerweile besitzen 40 Prozent aller US-Haushalte einen Computer, bei Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50 000 US-Dollar sind es sogar fast 70 Prozent. Beim Internet-Provider America Online führt man die immense Zunahme der Nutzung des ‘Instant- Messenger Systems” ( es ermöglicht gleichzeitige Realtime- Kommunikation mit mehreren Freunden) vor allem auf die hohe Akzeptanz bei Jugendlichen zurück. Die Nutzungsspitze für das System wird regelmäßig am nachmittag verzeichnet, kurz nach Schulschluß.

Virtuelle Welt contra reale Welt?

Während Wissenschafter über die Realitätsferne in der virtuellen Welt besorgt sind, haben viele Jugendliche damit kaum Probleme. Sie erwarten gar nicht erst, daß die Online Welt genauso ist wie die reale Welt. So reagierte der 14jährige Jonathon Reis aus Somerville gelassen nach seinem ersten Treffen mit einem recht molligen Mädchen, das sich im Online Kontakt als schlank bezeichnet hatte: ‘Ich weiß, daß sich die meisten mit größter Wahrscheinlichkeit als attraktiver beschreiben als sie wirklich sind.’ Andere Teens geben zu, daß es leichter ist jemanden Online nach einem Date zu fragen oder eine Beziehung zu beenden als im persönlichen Gespräch.

Soziologin Sherry Turkle meint zu diesen Ansichten, der Cyberspace wird mehr und mehr zum elektronischen Spielplatz von Jugendlichen. Eine Entwicklung, der sie auch Positives abgewinnen kann: Die zum Beispiel bietet Jugendlichen die Chance verschiedene Identitäten auszuprobieren und dadurch mit der Zeit ihre eigene zu finden – ein wichtiger Entwicklungsschritt, der in der Teenagerzeit vollzogen werden sollte.

Andere Wissenschafter bleiben bei ihrer eher negativen Haltung. So äußert sich Harry von der Harvard Medical School in Cambridge besorgt über die Schwäche von sozialen Kontakten, die im Internet geknüpft werden. Er meint:’Das ist nicht die Art von Beziehungen, die dich in einer ernsten Lebenskrise stützen können’. Waxmann fürchtet, daß derzeit eine Generation von Teenagern erzogen wird, die später als Erwachsene ein Problem eher durch ein E-Mail lösen als in offener Diskussion von Gesicht zu Gesicht.

Quelle: American Psychological Association – Psycport


Internetsucht und Einsamkeit

Einsamkeit und extremer Internet-Gebrauch sind schon des öfteren miteinander in Verbindung gebracht worden. Soweit also ein alter Hut. Was aber ist , was ist Wirkung? Gemeint ist, führt stundenlanges Web-surfen zu Einsamkeit oder werden einsame Menschen besonders von den Möglichkeiten des World-Wide-Web angesprochen und eingesogen? Dieser Frage forschen Wissenschafter aus aller Welt nach- und mit Ergebnissen, die beide Sichtweisen stützen: 1. Wer viel surft, reduziert seine Real Life Kontakte. Dadurch kann Einsamkeit entstehen 2. Einsame Menschen nutzen das Netz anders und ausgiebiger als Nichteinsame. Dadurch kann ihre noch größer werden. Dazu als Beispiel die Ergebnisse von zwei US-Studien:

  1. Wer viel surft, reduziert seine Real Life Kontakte

    Die Ausgangsbasis für die Untersuchung zu diesem Thema waren die Hypothesen: Einsamkeit entsteht als Nebenprodukt von exzessiver Internet-Nutzung. Die Zeit Online und die Energie, die für Online-Beziehungen aufgewendet werden gehen zu Lasten von Real Life Beziehungen. Die 1998 publizierte HomeNet Studie (s. Literaturangabe) bestätigte mit einer etwas unüblichen Forschungsmethode diese Annahmen: Die 93 an der Studie teilnehmenden Familien mit insgesamt 169 surfenden Familienmitgliedern bekamen einen kostenlosen bzw. stark verbilligten Computer zur Verfügung gestellt, sowie Ausbildung und Internetzugang für zwei Jahre. Die psychologischen Tests zeigten, daß die Teilnehmer an der Studie mit der Zeit um so mehr Einsamkeitsgefühle angaben, je stärker und ausgiebiger sie das Internet nutzten. Die Autoren führten das auf Abnahme der Kommunikation in der Familie und Verlust von Interesse an sozialen Aktivitäten zurück.

  2. Einsame Menschen nutzen das Netz ausgiebiger und es hat eine andere Bedeutung für sie als für Nichteinsame

    Einsamkeit wurde in dieser zweiten kürzlich veröffentlichten Untersuchung (s. Literangabe) nicht an der Anzahl der Beziehungen gemessen, sondern folgendermaßen definiert: Einsamkeit entsteht, wenn das soziale Netzwerk einer Person kleiner ist oder weniger befriedigend, als es die Person wünscht. Einsame Menschen werden als sozial gehemmt beschrieben, ängstlich, selbstunsicher und übersensibel in bezug auf Zurückweisung. Sie haben dadurch weniger Fähigkeiten, intime und enge Beziehungen aufzunehmen als Nichteinsame. Diese Kennzeichen von einsamen Menschen werden als für die große Attraktion des Internet angesehen: Zum einen bietet das Internet ein wesentlich größeres Angebot an sozialen Beziehungen, als das reale Leben. Es ist möglich anonym zu agieren. Das Ausmaß der sozialen Teilnahme kann besser selbstbestimmt werden und es können andere Menschen und die Art, wie sie mit anderen umgehen, beobachtet werden. Optimisten schlußfolgern daraus, daß einsame Menschen so eine Gelegenheit haben, soziale Fähigkeiten zu lernen und im Internet unverbindlich zu üben, quasi ein Trockentrainig für das reale Leben. Pessimisten meinen, Einsame verstricken sich dadurch noch mehr in ihrer und werden noch unfähiger für reale Kontakte.

Diese Fragen wurden in der Studie untersucht: 283 Studenten unterschiedlicher Studienrichtungen, die das Internet benutzen, wurden nicht nur nach dem zeitlichen Ausmaß ihrer Nutzung gefragt sondern auch nach ihrer Meinung zu verschiedenen Einstellungen und Ansichten in bezug auf das Internet. Mit einem zweiten Test wurden die Teilnehmer in die Gruppen “Einsame” und “Nichteinsame” aufgeteilt. Der Vergleich der Internetbezogen Daten in diesen beiden Gruppen zeigte etliche, statistisch bedeutsame Unterschiede: Nichteinsame waren pro Woche im Durchschnitt drei Stunden Online, Einsame fast doppelt so lang. Als Grund für die Internet-Nutzung nannten einsame Menschen stärker als Nichteinsame: Entspannung, Leute treffen, emotionale Unterstützung und Zeit-Totschlagen.

Bei den Einstellungen und Ansichten stimmten einsame Menschen etlichen Fragen deutlich häufiger zu als Nichteinsame, z. B.

* Ich ziehe Online-Kommunikation realer Kommunikation vor.
* Die im Internet macht mich freier.
* Ich bin Online eher ich selbst als im realen Leben.
* Meine Online-Freunde verstehen mich besser als andere Menschen.
* Ich fühle mich schuldig, wenn ich an die Zeit denke, die ich Online verbringe anstatt zu arbeiten.

Zusammenfassend meinen die Autoren dieser Studie, daß nach ihren Ergebnissen einsame Menschen sich durch intensive Internetnutzung auf einen gefährlichen Kreislauf einlassen: Sie gehen ins Internet, um sich soziale Bedürfnisse zu erfüllen, aber die Online verbrachte Zeit schafft wieder Lücken und Probleme in ihren Beziehungen im realen Leben.

Literaturangabe:

Zu 1.) Kraut, Patterson, Landmark et al. (1998). Internet paradox: A social technology that reduces social involvement and psychological well being? American Psychologist, 53, 1017-1031 (zitiert nach Morahan-Martin u. Schumacher, siehe unten)

Zu 2.) Janet Morahan-Martin und Phyllis Schumacher, Bryant College (1999): Loneliness and social use of the Internet. Papier präsentiert auf dem Jahreskongreß des amerikansichen Psychologenverbandes APA, Boston, MA


Internet-Sucht: Sind Sie gefährdet?

Exzessiver Gebrauch des World Wide Web, sei es das Surfen bis spät in die Nacht, um Informationen zu sammeln, das Anschauen von oder die Pflege von virtuellen Freundschaften, kann erhebliche negative Konsequenzen nach sich ziehen: Ehen gehen in die Brüche, reale Freundschaften verlieren sich, der Schlafmangel zerrt an den Nerven oder mangelnde Leistung im Beruf führt zur Kündigung. Bis zum Gefühl der völligen Einsamkeit und schweren Depressionen ist es dann nur mehr ein kleiner Schritt.

Wenn Sie auch zu denen gehören, die häufiger als gewollt mit rotgeränderten Augen und unausgeschlafen in die Arbeit fahren, weil die “Session” wieder einmallänger gedauert hat oder die immer häufiger den Unmut von Ehefrau bzw. Lebenspartnerin zu spüren bekommen, weil diese nicht mehr Cyber-Widow sein wollen, dann gehen Sie die folgende Checkliste durch. Wenn Sie in etwa die Hälfte der Fragen mit Ja beantworten, dann sollten Sie – sofern für den intensiven Internet-Gebrauch keine beruflichen Gründe vorliegen – ein Beratungsgespräch mit einem klinischen Psychologen oder einem Psychotherapeuten oder einer anderen mit Suchkrankheiten erfahrenen Institution in Erwägung ziehen.

Wichtig: Die folgende Checkliste repräsentiert keinen psychologischen Test und führt auch zu keiner Diagnose. Sie kann nur als allgemeine Information dienen, ob Merkmale, die häufig mit Internet-Sucht in Verbindung gebracht werden, bei einem selbst vorliegen. Selbst bei Beantwortung aller Fragen mit Ja kann nicht zwingend auf Internet-Sucht geschlossen werden. Die Abklärung dieser Frage kann nur durch einen mit Suchtkrankheiten erfahrenen und entsprechend fachlich ausgebildeten Professionalisten erfolgen.

CHECKLISTE:

  1. Ich muß immer mehr Zeit im Internet verbringen, um die gleiche Befriedigung wie zu Beginn zu spüren.
  2. Wenn ich nicht im Internet bin, denke ich sehr viel daran. (Denke über die letzten Sessions nach oder plane meine künftigen Aktivitäten)
  3. Für alle, die vor allem an Cyber-Sex und interessiert sind: Ich suche nach immer “schärferem” Material, um die gleiche sexuelle Stimulation wie zu Beginn zu spüren.
  4. Ich habe schon mehrmals erfolglos versucht, meine Zeit im Internet zu kürzen oder garnicht erst einzusteigen.
  5. Es passiert immer häufiger, daß ich länger im Netz bleibe, als geplant.
  6. Ich fühle mich rastlos und nervös, wenn ich versuche, weniger im Internet zu sein.
  7. Ich benutze das Internet, um vor Problemen zu flüchten oder um von meiner Stimmungslage abzulenken (z. B. von Gefühlen der Hilflosigkeit, Schuld, Angst, Einsamkeit oder von Depressionen)
  8. Wenn ich an einem Tag extrem lang im Netz war und mir dann vornehme, das am nächsten Tag nicht zu wiederholen, dann finde ich mich trotzdem am nächsten Tag vor dem Computer wieder.
  9. Ich habe schon meine Familienangehörigen, Freunde, Kollegen oder andere Menschen über die Dauer meines Internet-Konsum belogen und diesen kürzer dargestellt, als er wirklich ist.
  10. Ich habe wegen meiner Internet- Nutzung schon wichtige Beziehungen oder meinen Job oder andere wichtige Chancen in meinem Leben verloren.
  11. Ich habe das Interesse an anderen Aktivitäten im Leben völlig verloren.
  12. Obwohl ich schon negative Konsequenzen zu spüren bekommen habe (Beziehung zerbrochen, Job verloren etc), kann ich mit meiner Internet-Nutzung nicht aufhören.

Die meisten Menschen, die das Internet nutzen, finden es sehr interessant und sind – vor allem am Anfang – begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten. Der Internet-Gebrauch kann aber dann zum Problem werden, wenn der “” im virtuellen Leben mehr Befriedigung findet als im realen Leben. Dann kann sich ein Verhalten entwickeln, daß als “süchtig” oder “zwanghaft” bezeichnet werden kann, wobei es derzeit noch keine formalen Diagnose-Kriterien für Internet-Sucht gibt.

Noch Fragen, schreiben Sie mir:<http://www.privatedaddy.com?q=d3QXT3lJB2psAn1IRVU7DwZbL3MOIwJZcTVR_19>.