Kontrolle des Gefühlsausdruck verschlechtert Erinnerung

Wer versucht selbst in den schwierigsten Situationen nach außencool zu bleiben zahlt dafür einen ”kognitiven Preis”: Die an das betreffende Ereignis ist schlechter als die von Menschen, die ihre Gefühle weniger kontrollieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Septemberausgabe der Zeitschrift”Journal of Personality and Social Psychology” veröffentlicht wurde.

An und für sich ist es nichts Neues, daß wir Menschen die von Gefühlen und auch den Ausdruck mehr oder weniger kontrollieren können. Die Psychologen Jane M. von derUniversity of Washington und James J. von der Stanford Universität wollten nun wissen, ob diese Kontrollbemühungen in bezug auf auch Auswirkungen auf die geistige Verarbeitung der Situation haben. Ihre Ausgangshypothese war, daß Unterdrückung von Gefühlen wie z. B. in einer belastenden Situation keinen Ausdruck von Angst, Betroffenheit oder Abscheu zu zeigen, kontinuierliche erfordert. Dieser Prozeß, so spekulierten die Autoren der Studie, nimmt während der Situation kognitive Ressourcen in Anspruch und dadurch werden andere kognitive Funktionen, wie z.B. das Gedächtnis, in ihrer Leistung beeinträchtigt. Jemand, der seine Reaktionen nicht kontrolliert müßte sich demzufolge besser an das Ereignis erinnern können.

Die Forscher führten mehrere Gedächtnis- Experimente mit ihren 53 Testpersonen (24 Männer, 29 Frauen) durch. In einem zeigten sie einen Videoclip mit dem Streit eines Ehepaares über eine außereheliche Affäre des Mannes während die Tochter des Paares zuschaut. Der Hälfte der Teilnehmer an diesem wurde gesagt, sie sollten beim Anschauen des Filmes keine Gefühle zeigen. Die andereHälfte bekam nur die Instruktion, aufmerksam zuzuschauen und zuzuhören. Später wurden die Teilnehmer über ihre Gefühle und in bezug auf ihre befragt. Das Ergebnis: Die Mitglieder beider Gruppen unterschieden sich nicht in ihren Berichten über ihre von Gefühlen beim zuschauen. Die Gruppe, die keine Gefühlen zeigen durfte hatte aber eine deutliche schlechtere an das, was in dem Film gesagt und getan wurde.

Im zweiten ging es um die Frage ob die Stärke der eineRolle spielt, d.h. ob die Erinnerungsleistung sinkt je stärker die Gefühle sind, die unterdrückt werden müssen. Außerdem wurde untersucht, ob die Art dergewählten Kontrollstrategie Auswirkungen auf das Gedächtnis zeigt. Die Teilnehmer an dem Versuch wurden in drei Gruppen geteilt und bekamen Dias von Verletzten vorgeführt und dazu einige gesprochene Information geliefert. Einer Gruppe wurde mitgeteilt, sie sollten während der Vorführung keine zeigen. Die Mitglieder der zweiten Gruppe sollten sich in die Rolle des Arztes versetzen unddie Bilder mit neutralem Interesse sehen und der dritten Gruppe wurde einfach nur gesagt, sie sollten sichdie Bilderansehen. Diese Gruppe bildete die sog. Kontrollgruppe. Bei diesem gab es ein erstaunliches Ergebnis: Die Teilnehmer der Gruppe, die keine zeigen sollte, konnten sich deutlich schlechter an die Informationen erinnern alsdie Kontrollgruppe – aber, als die Teilnehmer aus einer Anzahl von ähnlichen Dias das vorher gezeigte heraussuchen, d.h. wiederkennen sollte, schnitten beide Gruppen gleich gut ab. Beeinträchtigt war also nur die an die verbale Information. Die Stärke der emotionalen Intensität derBilder spielte ebenfalls keine Rolle fürdie Erinnerungsleistung. Es stellte sich aber heraus, daß die Art derKontrollstrategie wichtig ist: die zweite Gruppe, die die Dias wie neutrale Ärzte betrachten sollte, hatte in bezug auf die verbalen Informationen sogar einebessere Erinnerungsleistung alsdie Kontrollgruppe.

Der Originalartikel in der Septemberausgabe der Zeitschrift’Journal of Personality and Social Psychology” ist unter www.apa.org nachzulesen.