Zeit für elterliche Aktion – was tun?

Jüngeren Kindern hilft es oft, wenn man ihnen eine Geschichte über ihr Verhalten in der dritten Person erzählt und sie um Rat fragt. In etwa so: “Ich habe von einem in einer 2. Klasse gehört, das jeden Tag traurig von der Schule heimkommt und dann mit seinem streitet. Es kann seiner Mama nicht sagen was los ist. Welchen Rat würdest du der Mama von diesem geben?”

Wichtig ist bei Kindern jeden Alters, ihnen immer das Gefühl von Unterstützung zu geben, wenn man sie auf ihr Verhalten direkt anspricht. Beispiel: “Ich habe das Gefühl, daß es dir im Moment nicht gut geht. Gibt es irgendetwas, was ich für dich tun kann, damit du dich besser fühlst?” Oder auch, mehr auf Konfrontation gehend bei älteren Kindern: “Du bist sonst so ein toller (gescheiter, lieber, netter) Junge/, aber im Moment ist dein Verhalten unerträglich. Was ist los?”. Einige werden vielleicht darauf einsteigen, froh, daß die Eltern den ersten Schritt getan haben und nun bereit sind, zuzuhören. Sie müssen aber auch damit rechnen, daß ihr Kind sie einfach rausschickt “laß mich allein”. Dann sollten sie insistieren: “O.k., du willst jetzt nicht reden. Ich kann warten. Aber ich findes es nicht fair, die ganze Familie mit deinem Verhalten zu belasten und dann auf Privatsphäre zu pochen. Ich möchte Dir helfen.”

Natürlich führen diese nicht immer automatisch zum Ziel. Wie leicht es ihrem Kind fällt, mit ihnen über seine Probleme zu sprechen, hängt auch vom bisherigen Familien – Gesprächsklima ab. Zuhören und miteinander reden, Erlebnisse austauschen – das sollte jeden Tag passieren, nicht erst dann, wenn es Probleme gibt.

Können sie selbst nicht aus ihrem Kind herausbekommen, was es bedrückt, spannen sie andere Leute ein: Vielleicht können ihnen Großeltern oder andere Verwandte oder die Mutter des besten Freundes helfen. ( Wichtig, hier nicht das Vertrauen zu mißbrauchen. D.h. wenn das Kind z. B. den Großeltern etwas erzählt, dann sollten sich diese auch das Einverständnis des Kindes holen, daß sie das Erzählte an die Eltern weitergeben dürfen. Die Großeltern müßten also dem Kind sagen, daß sich die Eltern große Sorgen machen, daß sie helfen wollen aber nicht wissen wie…. Das Kind muß unbedingt zustimmen, daß die Großeltern die Eltern informieren!!)

Halten sie von Beginn des Schuljahres an Kontakt zu den Lehrern und fragen sie immer wieder nach, wie es ihrem Kind in der Schule geht – nicht nur leistungsmäßig, auch wie es sich mit anderen Kindern versteht etc. Bedenken sie, daß Lehrer sich meist nicht gleich am Anfang eines Schuljahres bei ihnen melden. Bis eine offizielle Schulmitteilung über ein Problem kommt, kann sich dieses Problem schon zur Krise ausgeweitet haben.


Krise “Schulbeginn”

Die Sommerferien sind vorbei – doch die Rückkehr zur Schulroutine fällt vielen Kindern nicht leicht. In den ersten Schultagen wird die Schule noch als spannend empfunden, viele haben sich sogar darauf gefreut und auch auf das Wiedersehen mit Freunden. Aber ab Ende der 1. Woche bzw. Anfang der 2. Woche ist diese Begeisterung meist vorbei. Der Schulalltag ist eingekehrt und den Kindern wird klar, daß es jetzt viele Monate so weitergeht: früh aufstehen, Schule, Tests und dann noch Hausaufgaben und lernen. Vieles wurde in den Ferien vergessen und es dauert seine Zeit, bis sich die alte Lernroutine eingestellt hat. Dieser Eingewöhnungs”stress” äußert sich häufig in Verhaltensänderungen. Eltern müssen damit rechnen, daß ihr Kind in diesen ersten Schulwochen ungewohnt aggressiv reagiert oder sich zurückzieht oder unter verschiedenen körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen leidet.

Wie können Eltern ihren Kindern die Eingewöhnung erleichtern?

* Zunächst einmal sollten sie mit ihrem Kind sprechen und Verständnis für seine Schwierigkeiten zeigen.Machen sie die Umstellung auf den neuen Rhythmus zu einer Familienaufgabe.
* sollten nicht zu früh mit außerschulischen Tätigkeiten beginnen: Die Musik-, Ballett- oder Sportstunde am nachmittag sollte noch zwei bis drei Wochen warten.
* Schafft ihr Kind die Organisation von Büchern, Heften und Unterrichtsunterlagen schon selbst? Bieten sie Unterstützung an.
* Hat sich die Zeiteinteilung für Hausaufgaben und Freizeit im vergangenen Schuljahr bewährt? Wenn nicht, sollten sie jetzt gemeinsam mit ihrem Kind eine neue Einteilung ausprobieren. Manche müssen nach der Schule erst abschalten können, andere bringen die Hausaufgaben lieber gleich hinter sich und haben dann unbeschwerte Freizeit. Manche wollen die Aufgaben in einem Zug erledigen, andere verteilen sie in kleinen Portionen mit Spielpausen auf den ganzen Nachmittag.
* Viele kommen nach Hause und setzen sich gleich einmal zum Kinderprogramm vor den Fernseher. Aber: kann sich ihr Kind nach TV, Videogame oder Computerspiel noch auf die Hausaufgaben konzentrieren? Wenn nicht, sollten diese Freizeitbeschäftigungen warten bis die Aufgaben erledigt sind.
* Berücksichtigen sie bei der Freizeiteinteilung, daß die Tage jetzt kürzer werden. brauchen frische Luft und Bewegung. An schönen Herbststagen sollten die Hausaufgaben zugunsten des Spielplatzes auch einmal nach hinten geschoben werden.
* Klagt ihr Kind in diesem Schuljahr viel stärker als sonst über die Hausaufgaben? Vielleicht hat es Lernprobleme in einem Schulfach? Reden sie mit ihrem Kind darüber oder fragen sie den Lehrer. Frühzeitige Unterstützung kann viele teure Nachhilfestunden ersparen.
* Wenn ihr Kind plötzlich nicht mehr zur Schule gehen will, kann das viele Ursachen, auch ganz banale, haben. Es sitzt z.B. in der Klasse neben einem Kind, von dem es geärgert wird oder es wird wegen seiner neuen Zahnspange gehänselt.

erzählen oft nicht von selbst was sie belastet. Fragen sie daher ihr Kind immer wieder, vermeiden sie aber allgemeine Fragen. Nicht: “wie war es heute in der Schule?”, sondern:”Was habt ihr heute gelesen?”, “Mit wem spielst du am liebsten?”, “Wen aus deiner Klasse magst du überhaupt nicht……

Ein Tip zum Abschluß: Wenn ihr Kind jetzt gerade in den ersten Schulwochen steckt, stellen sie eine kleine Belohnung für die erste glücklich überstandene Zeit in Aussicht: Familienausflug, Kino, Eis, die Lieblingsspeise… Dann hat es etwas, worauf es sich freuen kann und sie vermitteln ihrem Kind das Gefühl, daß die Schule etwas ist, was die ganze Familie angeht.


Wie ändern Kinder ihr Verhalten bei Belastung?:

Jüngere wissen leider oft selbst nicht genau, was sie belastet und können es daher nicht erzählen. Sie ändern aber ihr Verhalten:

* Körperliche Beschwerden: Bei Kindern unter 8 Jahren äußert sich Angst oft in körperlich: Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit…Bevor sie aber davon ausgehen, daß ihr Kind “psychosomatisch” reagiert, sollte unbedingt eine ärztliche Untersuchung erfolgen!
* : Daumenlutschen, Bettnässen, Nägelbeißen oder Weinerlichkeit – das sind häufig auftretende Belastungszeichen in der gesamten Volksschulzeit. Bei 10-12jährigen Kindern muß man mit “vorpubertärem” rüden Benehmen rechnen, Wutausbrüchen, Schlafstörungen und extremen Trödeln vor der Schule.
* : Viele tragen ihre Frustrationen durch Streitereien mit den Geschwistern aus. Wenn sich die üblichen Geschwisterrivalitäten daher plötzlich verstärken, es jeden Tag Zank über nichtigste Anlässe gibt und sie pausenlos intervenieren müssen, dann sollten sie nach tieferliegenden Ursachen suchen. (Halten sie übrigens niemals Geschwistern die Schulleistungen des jeweils anderen vor. Dadurch fördern sie nur Rivalität und Streit)
* Zunehmende : Vielleicht merken sie keine direkte Zunahme eines aggressiven Verhaltens, hören aber von anderen Eltern oder vom Lehrer, daß ihr Kind immer wieder Streit vom Zaun bricht. Ihr Kind schimpft viel häufiger als sonst über Lehrer, Hausaufgaben und über Mitschüler und es rufen keine Freunde mehr an, um ihr Kind zum Spielen zu holfen. Sehr oft ist aggressives Verhalten nur ein Mittel, um die Aufmerksamkeit von Schulschwierigkeiten abzulenken.Fragen sie daher ihr Kind konkret nach Lernproblemen in den einzelnen Fächern, schauen sie sich die Hausaufgaben an und halten sie auch Kontakt mit den Lehrern, um eventuellen Lernschwierigkeiten auf die Spur zu kommen.
* : Manche reagieren auf Belastungen mit “Innerer Immigration”. Sie ziehen sich total zurück, reden nichts mehr, treffen keine Freunde und haben zu nichts mehr Lust.

Wie kann man Eingewöhnungsschwierigkeiten von ernsthaften Schulproblemen unterscheiden?

Verändert sich relativ bald nach Schulbeginn das Verhalten ihres Kindes, dann heißt es am besten erst einmal “Abwarten und Teetrinken”. Nicht gleich ein daraus machen, wenn es aggressiver als gewohnt reagiert oder sich mehr zurückzieht. Werten sie dieses Verhalten als Signal für mehr Unterstützung. Ändert sich dieses Verhalten aber nach mehr als zwei Wochen nicht, wird es vielleicht im Gegenteil noch schlimmer, dann sollten sie wachsam und aktiv werden. Es könnte mehr dahinterstecken, als nur “Übergangsstress”.