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Erkranken Männer weniger häufig als Frauen - oder geben sie ihre Erkrankung nur nicht zu?

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Laut US-Statistik sind doppelt soviel Frauen wie Männer von einer Depressionserkrankung betroffen. Das dürfte aber eigentlich nicht sein, denn soviel weiß man bisher über die Erkrankung: Klinische Depression kennt keine Grenzen basierend auf Geschlecht, sozialer Situation, sexueller Orientierung, Rasse oder Religion. Männer müßten also im gleichem Ausmaß betroffen sein wie Frauen. Daher liegt der Verdacht nahe, daß sie eine Erkrankung nur nicht zugeben. Vielleicht deshalb, weil einige Symptome wie Verzweiflung, Teilnahmslosigkeit und Weinerlichkeit dem alten Männlichkeitsbild widersprechen. Und vielleicht auch deshalb, weil auch heute noch viele Jungen zu hören bekommen ''Jungen weinen nicht''.

Dabei sind depressive Männer in 'guter Gesellschaft': Abraham Lincoln z.B. und Winston Churchill, der seine Depression den ''schwarzen Hund'' nannte, sind nur zwei prominente Namen aus einer langen Liste.

Höhere Selbstmordraten bei Männern

Wenn Männer die Erkrankung nicht zugeben, bedeutet das in den meisten Fällen, daß sie auch keine Hilfe suchen. Das ist doppelt bedauerlich: Erstens könnte den meisten Betroffenen mit den heutigen Medikamenten und Therapien geholfen werden und zweitens werden viele Männer mit der Erkrankung schlechter fertig als Frauen: Untersuchungen zeigen, daß Frauen zwar dreimal häufiger einen Selbstmordversuch unternehmen als Männer, aber bei Männern resultiert dieser Versuch dreimal häufiger in einem vollzogenen Selbstmord. Das kann so interpretiert werden, daß bei Männern hinter einem Selbstmordversuch wesentlich häufiger der Entschluß steht, tatsächlich zu sterben, während Frauen häufiger auf diese verzweifelte Art und Weise um Hilfe rufen.

Warum suchen nun depressive Männer keine Hilfe: Therapeut Terrence Real sagte dazu in einem Interview mit der Zeitung ' San Francisco Chronicle': ''Depression ist eine Erkrankung, bei der viele Menschen sich nicht sehr gut mit sich selbst fühlen. Aber Männer schämen sich doch dazu darüber, daß sie sich schämen. Sie sind deprimiert darüber, deprimiert zu sein.''

In den USA verzeichnet man z.B. die höchste Rate an Selbstmorden unter Männern in den Bundesstaaten Arizona, Montana, Wyoming, Utah and Nevada - dort, wo ''Männer noch Männer sind'', sagt Dr. Jan Fawcett, Vorstand einer psychiatrischen Klinik in Chicago und setzt fort: ''Die klassischen Männerwerte in diesen Staaten von Unabhängigkeit und Stoizismus gepaart mit leichterem Zugang zu Waffen fördern es, daß Männer nicht über ihren Zustand reden und Hilfe suchen.

Symptome einer versteckte Depression: Ärgerausbrüche, Gewalt, Drogensucht und Alkoholismus

Terrence Real glaubt, daß Ärgerausbrüche, Alkoholismus, Drogensucht und häusliche Gewaltausübung von Männern oft nur Zeichen einer versteckten Depression sind. Dabei könnten seiner Meinung nach 90 Prozent der betroffenen Männern mit Medikamenten und Therapien geholfen werden - wenn auch nicht immer eine vollständige Heilung, so sei doch zumindest eine Besserung möglich, sagt Real: ''Die Behandlung von Depressionen ist einer der großen Erfolgsstories der Psychiatrie''.

Viele Männer fürchten berufliche Nachteile, wenn bekannt wird, daß sie wegen einer Depression in Therapie sind. Das gesellschaftliche Stigma für psychische Erkrankungen trifft Männer heutzutage immer noch härter als Frauen. Es wird zwar einerseits über die Emotionalität von Frauen gespöttelt, andererseits werden psychische Erkrankungen bei Frauen eher akzeptiert und es ist daher einfacher für sie Hilfe zu suchen. (Das größere gesellschaftliche Stigma für Männer könnte man zynisch auch so formulieren: ''Für Frauen gilt es als normal 'verrückt' zu sein'' - was im Fall einer tatsächlichen Erkrankung offensichtlich von Vorteil sein kann.)

Etliche Männer haben außerdem Angst vor den Anti-Depressions-Medikamenten. Sie fürchten die Nebenwirkung ''sexuelle Dysfunktion''. Es stimmt, daß einige populäre Medikamente wie Prozac und Zoloft die Lust auf Sex dämpfen können (bei beiden Geschlechtern) und bei einigen Männern auch zu sexuellen Funktionsstörungen bis hin zur Impotenz führen. Dr. Fred Parris, ein Psychiater in San Francisco meint dazu, erstens würden die Medikamente bei jedem Patienten anders wirken und nicht jeder hätte unter diesen Nebenwirkungen zu leiden, zweitens gebe es bereits Medikamente mit weniger Nebenwirkungen und drittens sei der sexuelle Appetit bei vielen betroffenen Männern schon durch die Depression selbst stark reduziert.

Quellen für diesen Artikel:
www.nimh.nih.gov (National Institute of Mental Health, USA)
www.psycport.com/news (Ein Produkt der American Psychological Association mit Publikationen von psychologierelevanten Artikeln in US-Medien, für obigen Bericht konkret: ''Sad Men...'' in ''The San Francisco Chronicle'', 2.Oktober 2000)



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geändert am 2003/01/01; © 1999 - 2003 Mag. Christiane Turnheim; Webmaster
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