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Psychonews Gastkommentar |
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Um zu zeigen, wie das Gebiet der Notfallpsychologie in der Praxis behandelt wird, möchte ich das Gebiet zunächst anhand einer Untersuchung beschreiben, die sich mit Copingstrategien (Bewältigungsstrategien) von Rettungsfahrern befaßt hat. (Lesen Sie zu diesem Thema auch den Bericht eines Rettungsfahrers und Tipps, wie man eine persönliche Katastrophe besser verarbeitet)
Zur Bedeutung der Notfallpsychologie: Psychologische und psychotherapeutische Hilfen bei Krisen |
Im Sommer/Herbst 1998 wurden Rettungsassistenten aus dem süddeutschen Raum mit klinischen Fragebögen nach ihren Belastungen, ihren Strategien zur Streßverarbeitung, ihrer Lebenseinstellung und ihrer Persönlichkeit befragt:
Die Ergebnisse zeigen, daß keine der untersuchten Copingstrategien wie z.B. die Inanspruchnahme einer Gesprächstherapie unter- oder überdurchschnittlich häufig genutzt wird, sondern gleichermaßen eingesetzt werden. Dies gilt auch für aktive Strategien und für passive wie Ablenkung und Vermeidung:
Der Begriff des Risikos und wie in der heutigen Gesellschaft damit umgegangen wird, ist ein nach den Gesichtspunkten vieler Wissenschaftler in der Öffentlichkeit viel zu wenig diskutierter und bedarf einer Aufklärung. In der Wissenschaft können heute diverse Aspekte von Krisen unterschieden werden, durch die der einzelne beeinträchtigt sein kann. Jene Krisen können traumatische Krisen sein, die durch Krankheit und Tod eines Nahestehenden, Trennung, Kündigung, Umzug und ähnlichem entstanden sind. Der Krisenbegriff steht nicht auf der Bahn der traditionellen Diagnostik, ist keine eigene "Krankheitseinheit", sondern beruht auf dem Zustandsbild des Patienten.
Somit kann davon ausgegangen werden, daß der Begriff der Krise nicht eigenständig einen Platz in der Debatte zum Krisenmanagement einnimmt, sondern nur im Zusammenhang einer Auswirkung auf eine Katastrophe gesehen wird. Ziel und Zweck der Bewußtmachung einer anderen Definition von 'Risiko' ist es aus heutiger Sicht gesehen, daß jeder einzelne es lernt, zwischen dem 'objektiven' und dem 'subjektiven' Einzelrisiko oder kollektivem Risiko zu differenzieren , wobei das 'objektive' Risiko z.B. die Rahmenbedingungen eines tatsächlich öffentlichen Autounfalles beschreibt, jedoch das 'subjektive' Risiko die persönliche Einstellung des Konsumenten zu dem Unfall meint. Das objektive Risiko kann so verstanden werden, daß z.B. jeder Autofahrer Informationen darüber hat, daß wenn er 0,05 Promille im Blut hat und sich ins Auto setzt, er einen Autounfall haben kann. Ein hohes subjektive Risiko ist dann gegeben, wenn der Konsument diese gegebene Gefahr der Alkoholgefährdung im Straßenverkehr nicht ernst nimmt und einen Autounfall wegen nachlässiger Einstellung zum Thema 'Alkohol im Verkehr' hat.
Damit sich jeder einzelne von uns vorstellen kann, wie er sich im Falle einer Krise optimal zu verhalten hat, möchte ich hier ganz kurz ein paar Prinzipien erläutern, wie man eine psychologische oder psychotherapeutische Krisenintervention setzen kann, damit sie von jedem sofort in der Krisensituation eingesetzt werden kann:
Eine von vielen möglichen psychologischen Kriseninterventionen umfaßt demnach Maßnahmen, die es ermöglichen, daß
Im Mittelpunkt der psychologischen und psychotherapeutischen Krisenintervention steht der aktuelle Konflikt. Die Einbeziehung der Umwelt ist von Interesse. Eine eventuelle Entlastung und Unterstützung durch Medikamente sollte im Falle einer Krisensituation gesetzt werden. Eine interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Arzt, Psychologe, Sozialarbeiter und Psychiater sollte stattfinden.
Für die 'psychologische' Hilfe ist nach Dohrenwend& Dohrenwend (1994) die Kenntnis
Im Falle einer psychologischen Intervention sollte der Arzt, Psychologe, oder Helfer wenn möglich folgende Grundhaltung einnehmen:
Im Zuge der Krise kann es zu einer suizidalen Einengung oder einer Einengung der zwischenmenschlichen Beziehung kommen. Somit bedarf es beim Betroffenen der Zuwendung des Kontaktes und der Empathie des Helfers. Es sollte dies als Versuch gesehen werden, eine günstige Distanz- Nähe Beziehung gewinnen zu können.
Die psychotherapeutische Krisenintervention umfaßt Aktionen, die zur Linderung krisenbedingter Leidenszustände und zur Verhütung ihrer sozialen, psychologischen und medizinischen Folgen, insbesondere zur Reduzierung krisengebundener Krankheitsrisiken gedacht sind. Entscheidend in der heutigen psychotherapeutischen Intervention ist, was ein Patient im Verlauf seiner Behandlung im Umgang mit dem klinischen Versorgungssystem gelernt hat, konkret: ob er gelernt hat, für sein Beschwerdebild die geeigneten Copingstrategien der jeweiligen Therapie anzunehmen oder nicht. Eine tiefgründige Anamnese zur Abklärung der Krise ist von Interesse.
Eine angemessene Diagnostik und erfolgreiche Therapie chronischer und akuter Schmerzen in Krisensituationen erfordert sowohl die Integration der diversen Ebenen von Schmerz als auch der psychophysiologischen Erfahrungen des Patienten im Verlaufe des Chronisierungsprozesses der Krisensymptome. Die akute Krisentherapie, oder die Schmerztherapie muß mit der eventuellen Bedrohung zusammenhängen, der Körper muß schon vorher im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden haben.
In der Therapie ( Physio-, Ergotherapie, oder einer anderen Art von Therapie) ist abzuklären, welche Fähigkeiten der Patient noch hat bzw. eventuell verloren hat. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten vor dem Schmerzbeginn sollen erkannt und gewürdigt werden, ebenso wie ihr Verlust zusammen mit dem Patienten zu bedauern ist. In der Behandlung soll der Schmerz oder das Leid angetastet werden. Hingegen soll der sekundäre Gewinn möglichst eingeschränkt werden. Im Vordergrund der psychotherapeutischen Therapie sollte das psychoanalytische Gespräch stehen.
Anfragen und Kommentare zu diesem Artikel bitte an Irene Prokop, email: a9104518@unet.univie.ac.at
Literaturliste:
Adler R., Hemmeler W.: ''Anamnese und Körperuntersuchung'' , Geleitwort von Skure von Uexküll, 3. Auflage, Gustav Fischer ( S.200 - 201 ), 1992
Cullberg, R.: Krisen- und Krisentherapie- Psychiatrische Praxis( S.34 - 35 ), 1978
Dohrenwend& Dohrenwend (1994) (Hrsg): Stressfull life events: ''Their nature and effects'' : Wiley; New York
Fisher Gustav (1992) ''Krisenintervention'', Thieme Verlag, (S. 20-22)
Hoffmann, Egle: ''Der Schmerzkranke'' , Schotthauer Verlag ( S.119, Stuttgart - New York), 1993
Ringel, E. ''Die Arzt -Patient- Beziehung'', 1989 Rossmanith, Strotzka, Mandrixch Verlag
Sonneck, G.: ( 1989) S.68-69 ''Arzt-Patient-Beziehung in Krisensituationen'', Stuttgart Verlag
Zielle und Merk ( 1991), S.33, ''Psychologische Maßnahmen in Krisensituationen'' Hoffmann Egle, S.119
Zum Thema 'Traumabewältigung' lesen Sie auch die Beiträge: Bericht eines Rettungsfahrers und Tipps, wie man eine persönliche Katastrophe besser verarbeitet.
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