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Psychonews Gastkommentar |
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Vorbemerkung von Mag. Christiane Turnheim: Dieses Mail erreichte mich vor einigen Monaten. Ich veröffentliche es an dieser Stelle, da es passend zum Artikel über Notfallpsychologie, in dem eine Studie über Rettungsfahrer vorgestellt wird, die Belastung eines Betroffenen durch ein traumatisches Ereignis zeigt. Ich habe den Bericht etwas gekürzt und alle Hinweise auf Ort und Identität des Schreibers entfernt.
Bericht eines Rettungsfahrers |
Ich bin seit 3 Monaten beim Zivildienst und bin dem Rettungsdienst zugeteilt. Ich hatte schon einige schlimmere Fälle, aber noch nie etwas, was mich derartig seelisch stark belastet hat wie dieses Ereignis:
Meldung des Anrufers lautete: 'Schwerer Verkehrsunfall!' Mein Fahrer und ich sprangen ins Rettungsauto und fuhren los. Am Zielort kommen uns schon Passanten entgegengelaufen! Ein Mann sagt zu mir: 'Den zweien geht's gut - dort drüben liegt einer, der rührt sich nicht mehr!' Schnell laufen wir zu den beiden deformierten Autos. Von der Weite sah man keine Personen in den Wracks. Als wir auf der offenen Seite des einen Fahrzeuges standen, war ich schockiert! Ein Mann, die Augen weit offen, nicht ansprechbar, lag in diesem Auto. Ich handelte nach Vorschrift und sprach den Mann an, doch dieser reagierte nicht. Mein Fahrer, einige Passanten und ich beförderten den Patienten vom Auto auf den danebenliegenden Acker. Ich holte sofort alle notwendigen Geräte aus dem Rettungswagen und anschließend begannen wir mit der Reanimation. Es war grauenvoll. Nach ca. 10 Minuten waren bereits Notärzte an der Unfallstelle. Einer kam zu uns, checkte den Patienten und meinte, wir können aufhören. Ich stand auf und sah den Mann dort liegen und wollte nicht kapieren, daß er tot sei. Am liebsten hätte ich nie aufgehört zu reanimieren. Wir mußten jedoch noch weitere Hilfe leisten, da mehrere Verletzte am Unfallort waren.
Zurück an der Dienststelle reinigten wir Geräte, Fahrzeug und alles was dazugehört. Anschließend sprachen mein Fahrer, einige Kollegen und ich in einem ausführlichen Gespräch über den Unfall. Wir sind eine sehr humane Dienststelle, wo man dies gut machen kann. Alle waren sehr hilfsbereit und tatsächlich hat es mir sehr geholfen. Auch meine Familie steht mir sehr zur Seite. Dennoch beschäftigt mich der Tot des Mannes sehr.
Es stellt sich mir die Frage: 'Hab ich alles richtig gemacht? Bin ich schuld?' Ich bin kein labiler Mensch, muß jedoch sagen, daß dieses Ereignis ein Schock bzw. Denkstein in meinem Leben war und auch noch ist. Ich habe im Moment riesige Angst vor einem weiteren Autounfall, doch ich hoffe ich bekomme dieses Problem in den Griff. Seit dem Geschehen geht es mir jetzt schon besser. Ich kenne die Strecke, an der dieser schrecklich Unfall passiert ist gut. Im Moment glaube ich, bin ich nicht einmal im Stande an dieser Stelle vorbeizufahren. Vielleicht gibt sich das mit der Zeit - hoffentlich.
Nachtrag: Viele Helfer stellen sich die Fragen 'bin ich schuld? Hätte ich etwas anders machen können?', wenn der Hilfseinsatz nicht erfolgreich war. Berufs-Helfern wie Feuerwehrleuten, Rettungsfahrern und Polizeibeamten sollten daher erleichterten Zugang zu Psychologen, Therapeuten oder - wie es auch schon praktiziert wird- zu speziell für die Krisenbetreuung ausgebildeten Kollegen haben. Lesen sie zu diesem Thema auch die Artikel: Zur Bedeutung der Notfallpsychologie und Tipps, wie man eine persönliche Katastrophe besser verarbeitet.
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