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US-Kinderärzte: Neue Richtlinien für Diagnose von Hyperaktivität |
Die US-Akademie der Kinderärzte hat neue Richtlinien für die Untersuchung und Diagnose von ADHD (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) veröffentlicht. Untersuchungen hatten gezeigt, daß die Daten über Prävalenzraten von ADHD bei 6 bis 12jährigen Schulkinder in verschiedenen Regionen der USA zwischen vier und 12 Prozent schwankten. Diese große Bandbreite wird auf Unterschiede in den verwendeten Diagnosekriterien zurückgeführt. Fachleute gehen davon aus, daß ADHD von manchen Ärzten zu häufig festgestellt wird und tatsächlich 'nur' 8 bis 10 Prozent der Schulkinder davon betroffen sind. Die neuen standardisierten Richtlinien sind für Kinderärzte in der medizinischen Grundversorgung erstellt worden und beinhalten Empfehlungen, bei welchen Symptomen auf ADHD untersucht werden soll, daß das Diagnoseschema DSM- IV verwendet werden soll und welche Zusatzinformationen zu erheben sind.
Von ADHD sind dreimal soviel Jungen wie Mädchen betroffen. Es ist die am meisten verbreitete Verhaltensstörung in der Kindheit. Die Betroffenen leiden unter einigen signifikanten Beeinträchtigen in der Schule und in Beziehungen mit anderen Menschen. Die Überprüfung der Diagnosepraxis unter Kinderärzten zeigte eine große Vielfalt an verwendeten Diagnosekritierien und an Behandlungsmethoden (inkl. der Verschreibung von Medikamenten). Künftig soll die Diagnose einheitlich im Rahmen von 2 bis 3 Ordinationsbesuchen erfolgen.
Die Akademie der Kinderärzte empfiehlt eine Untersuchung auf ADHD bei Kindern, die wegen Problemen in der Schule, Lernschwierigkeiten, motorischer Unruhe, Impulsivität, konfliktreichen Beziehungen zu Lehrern, Familienmitgliedern oder anderen Kindern (aggressives Verhalten) oder mit anderen Verhaltensstörungen dem Arzt vorgestellt werden.
Die Akademie empfiehlt folgende allgemein gehaltene Fragen zu Untersuchungsbeginn:
Um einen einheitlichen Diagnosestandard zu erreichen, wird in den Richtlinien die Verwendung des DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen IV) empfohlen. Dieses Diagnoseschema unterscheidet drei Untergruppen:
Die Symptome müssen in den vorangegangen sechs Monaten beständig vorhanden und zumindest in zwei Umgebungen der Kinder (Schule, Elternhaus...) zu beobachten gewesen sein. Es wird außerdem ausdrücklich daraufhingewiesen, daß Kinder, die zwar Verhaltenssymptome wie motorische Unruhe oder Unaufmerksamkeit zeigen, aber keine Beeinträchtigung ihrer schulischen Leistung oder Probleme in ihren sozialen Beziehungen aufweisen, nicht die Diagnosekriterien für ADHD erfüllen. (Wer genauere Informationen über die Diagnosekriterien möchte, schreibe mir bitte ein Mail: cturnheim@psychohelp.at).
Den Kinderärzten wird empfohlen, Informationen über die Hauptsymptome und dem Grad der Beeinträchtigung auch von den Lehrern der Kinder einzuholen. Außerdem sollten sog. Co-existierende Probleme, wie Depression oder Ängstlichkeit erhoben werden. Es wird geschätzt, daß etwa jedes 3. Kind mit ADHD unter einem Co-existierendem Problem leidet.
Quelle: www.aap.org (American Academy of Pediatrics). Dort findet sich eine ausführlichere Fassung dieser Richtlinien (engl.).