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USA: Richter erzwingen Ritalin-Einnahme |
In Albany im US-Bundesstaat New York müssen Eltern ihrem siebenjährigen Sohn auf richterliche Anordnung weiterhin Ritalin zur Behandlung seiner Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) geben. Das ist kein Einzelfall behördlicher Intervention gewesen: Auch ein anderes Ehepaar im Bundesstaat New York berichtet über eine Untersuchung von Jugendschutz-Sozialarbeitern nach einer Anzeige wegen "medizinischer Vernachlässigung". Auch dieses Ehepaar hatte Ritalin bei ihrem Sohn wieder abgesetzt, da er unter Nebenwirkungen litt. Außerdem mehren sich Berichte von Druck seitens Lehrer auf Eltern, ihre unter ADS bzw. Hyperaktivität leidenden Kinder medizinisch behandeln zu lassen. Eltern, die sich weigern, bekommen oft den Vorwurf "Kindesmißbrauch" zu hören.
Dies alles passiert vor dem Hintergrund immer neuer Berichte und Untersuchungsergebnisse über die Effektivität der Ritalin-Behandlung. So hat das National Institute of Health erst kürzlich einen Forschungsbericht veröffentlicht, wonach Kinder mit ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder), die Medikamente nehmen in erheblich kürzerer Zeit Handlungs-Entscheidungen treffen können als Kinder mit ADHD, die keine Medikamente bekommen.
Nach Auskunft der US-Akademie der Kinderärzte sind 3,8 Millionen amerikanische Schulkinder mit ADS/ADHD diagnostiziert worden und zumindest 2 Millionen von ihnen werden mit Ritalin behandelt, zum Teil in Kombination mit Verhaltenstherapien. Der Rest bekommt andere Medikamente, wird nur mit Verhaltenstherapien oder auch mit anderen Therapien behandelt.
Die Frage, ob man Eltern die Entscheidung über die Medikamenteneinnahme ihrer Kinder aufzwingen darf, wird von Psychologen und Ärzten unterschiedlich beantwortet. Einige meinen 'ja' mit Hinweis auf die Wirksamkeit der Medikamente, den schwerwiegenden Folgen einer Nichtbehandlung und vergleichbaren anderen Zwängen wie den in den USA üblichen Pflichtimpfungen vor Schulbeginn. Andere sagen 'nein' und begründen das unter anderem mit nach wie vor fehlenden Untersuchungen über die Langzeitfolgen von Ritalin und anderen Medikamenten gegen ADS/ADHD.
Quelle: 'USA TODAY', 8. August 2000, National Institute of Health (www.nih.gov) und American Academy of Pediatrics (www.aap.org)
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