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Neue Forschungsergebnisse erweitern Verständnis über Wirkung von Ritalin
Jänner 2001

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In den USA ist Ritalin das am häufigsten verschriebene Medikament in der Behandlung von ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder, dt.: Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätstörung). Der Wirkstoff in Ritalin ist Methylphenidat. Obwohl Ritalin schon seit Jahrzehnten im Handel ist, ist die Wirkung von Methylphenidat auf das Gehirn bisher nur in groben Zügen bekannt.

So haben z.B. Forschungsarbeiten gezeigt, daß bei intravenöser Applikation Methylphenidat den Transportmechanismus DAT des Neurotransmitters Dopamin (siehe Glossar am Ende des Artikels) blockiert, wodurch die Dopaminkonzentration im Gehirn steigen kann. Es war aber nicht bekannt, inwieweit die üblicherweise bei ADHD oral eingenommenen therapeutischen Mengen (in den USA häufig 10 - 20 mg/ 2-4 mal täglich) ebenfalls zu einer signifikanten Änderung des Dopamin-Levels führt.

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die vielfältige Aufgaben im Rahmen der Signalübertragung im Gehirn ausführen. Von Dopamin wird angenommen, das es eine wesentliche Rolle für die Motivations- und Konzentrationsfähigkeit spielt.

Einem Forscherteam aus New York unter Leitung von Dr. Nora D. Volkov ist nun erstmals gelungen, die Änderung des Dopamin-Levels nach der Einnahme von Methylphenidat-Tabletten zu messen. Dabei zeigte sich, daß der Wirkstoff auch bei oraler Einnahme den Transportmechanismus blockiert (im Versuch zu 50 - 75 %) und dadurch zu der angestrebten Erhöhung der Dopamin-Konzentration beiträgt. Diese Erhöhung fiel allerdings bei den Testpersonen in recht unterschiedlichem Ausmaß aus. Die Ursache dafür soll noch weiter untersucht werden, da hier die Antwort dafür liegen könnte, warum das Medikament nicht bei allen Patienten (gleich) wirkt. Der Bericht über die Forschungsarbeit ist in der Januarausgabe des "Journal of Neuroscience" veröffentlicht worden und im Original (englischsprachig) nachzulesen unter www.jneurosci.org/cgi/content/full/21/2/RC121.

Das Ergebnis des New Yorker Forscherteams paßt zu anderen Forschungsergebnissen, die bei ADHD Patienten eine erhöhte Tätigkeit des Transportmechanismus DAT gefunden haben, wodurch der Botenstoff Dopamin zu schnell aus den Zellen entfernt wird. An der Untersuchung nahmen 11 Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren teil. Die Testpersonen litten nicht unter ADHD. (Die Wissenschafter meinen, daß es keinen Grund gibt daran zu zweifeln, daß die Dopamin-Konzentration auch bei ADHD-Patienten nach Einnahme von Methylphenidat steigt. Das Ausmaß dieser Steigerung könnte allerdings unterschiedlich sein. Auch müsse noch durch weitere Forschungsarbeiten geklärt werden, ob die Wirkung des Medikaments auf den Transportmechanismus DAT bei dauerhafter Anwendung nachläßt.) Die Wirkung von Methylphenidat wurde Mithilfe des Abbildungsverfahrens PET (Positronen- Emissions- Tomographie) im Striatum, einem Teil des Endhirns, gemessen.

Die Ergebnisse dieser Studie haben zusätzliche Erkenntnisse über die Wirkung von Ritalin bei mißbräuchlicher Verwendung durch Drogenkonsumenten gebracht. Manche Eltern sind in jüngster Zeit durch Medienberichte über Ritalineinnahme als aufputschende Droge verunsichert worden und fürchten, daß ihre Kinder süchtig werden könnten. Da ich in meiner Beratungspraxis immer wieder Anfragen zu diesem Thema bekomme, möchte ich abschließend noch auf diesen Aspekt der Studie eingehen:

Bei mißbräuchlicher Verwendung der stimulierenden Wirkung von Ritalin als Droge wird der Wirkstoff meist gespritzt. Die Einnahme als Tablette hat offensichtlich nicht den gleichen von Drogenkonsumenten erwünschten Effekt. Aus dieser Beobachtung ergibt sich die - auch für die Behandlung von ADHD relevante - Frage, ob der Wirkstoff Methylphenidat möglicherweise bei oraler Einnahme nicht bzw. zu wenig wirkt. Die Forscher führen in ihrem Bericht im Journal of Neuroscience an, daß die Dopaminkonzentration bei oraler Einnahme im vergleichbarem Ausmaß zur intravenösen Applikation steigt. Trotzdem hätten die Testpersonen kein "High"-Gefühl berichtet, wie Testpersonen in früheren Studien, die den Wirkstoff intravenös verabreicht bekamen. Das führen die Wissenschafter auf die unterschiedliche Zeitspanne bis zur vollen Wirkung zurück. Nach der intravenösen Applikation steigt die Dopaminkonzentration innerhalb weniger Minuten, bei oraler Einnahme dauert es circa 1 Stunde, bis die volle Wirkung erreicht ist und dieser längere Zeitraum gibt den Körper die Gelegenheit zur langsamen Anpassung.

Quelle: Journal of Neuroscience, Januar 2001

Titel:Therapeutic Doses of Oral Methylphenidate Significantly Increase Extracellular Dopamine in the Human Brain,

Autoren: Nora D. Volkow1, 3, Gene-Jack Wang1, Joanna S. Fowler2, Jean Logan2, Madina Gerasimov2, Laurence Maynard1, Yu-Shin Ding2, Samuel J. Gatley1, Andrew Gifford1, and Dinko Franceschi1(Departments of 1 Medical and 2 Chemistry, Brookhaven National Laboratory, Upton, New York and 3 Department of Psychiatry, State University of New York at Stony Brook.).

Glossar:

Neurotransmitter: Chemische Substanzen, die an den Synapsen (Endungen von Nerven) freigesetzt werden und bei der Kommunikation der Neuronen vermittelnd eingreifen. Sie haben also die Funktion eines Botenstoffes.

Dopamin: Signalübertragungsstoff (Neurotransmitter). Im zentralen Nervensystem beeinflußt es emotionale und geistige Reaktionen und steuert Bewegungsentwürfe, z.B. die Mimik. Störungen im Dopaminhaushalt werden bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet bzw. vermutet: So ist z.B. die Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) auf einen Dopaminmangel in bestimmten Bereichen des Gehirns zurückzuführen. Auch bei Schizophrenie dürfte ein Ungleichgewicht im Vergleich zum gesunden Menschen vorliegen. Neben seiner Funktion als erregender Neurotransmitter ist das Dopamin als Vorstufe des Noradrenalin und Adrenalin von Bedeutung.

Corpus Striatum: Das Corpus Striatum ist der größte, zu den Basalganglien gehörende Kernkomplex des Endhirns. Das Corpus Striatum besteht aus dem nucleus caudatus und dem nucleus lentiformis. Der nucleus lentiformis wird in Putamen und Pallidum unterteilt (über die Bedeutung des Putamen in Zusammenhang mit ADHD lesen sie hier). Das Corpus Striatum stellt die zentrale subkortikale Schaltstelle des extrapyramidal motorischen Systems dar.


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