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Gefangen im Netz: 6 Prozent aller Internet- User sind süchtig! |
Sie haben für nichts anderes mehr Interesse, riskieren Ehe und Job, verzichten auf Schlaf und Freundschaften - und sie wissen, daß etwas mit ihnen nicht stimmt. Die Rede ist von Internet-Süchtigen. Surfer, die sich im World Wide Web verfangen haben wie Insekten im Spinnennetz. Zwischen 6 und 10 Prozent aller Internet-User erfüllen nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen die Kriterien für Internet-Abhängigkeit. Diese Zahlen wurden auf dem Jahres-Kongreß 1999 des amerikanischen Psychologenverbandes APA präsentiert.
Die größte bisher zu dieser Frage durchgeführte Studie stammt von Dr. David Greenfield, einem Psychologen aus West Hartford in Connecticut. Er hat mehr als 17000 Fragebögen, die mithilfe der Website des Nachrichtensenders ABC an Internet-User verteilt wurden, ausgewertet. Die Teilnehmer an dieser Studie haben 36 Fragen beantwortet, z. B. wieviel Zeit sie im Internet verbringen, zu welcher Uhrzeit, welche Teile des Internets benutzt werden, ob es Probleme mit Partnern oder Freunden wegen der langen Sessions gibt, ob sie schon versucht haben, die Sitzungen zu kürzen und wie es ihnen damit gegangen ist und ob sie schon andere in bezug auf die Zeit, die im Internet verbracht wurde, belogen haben. Zur Feststellung der Internet-Sucht wurden Diagnosekritierien der Spielsucht modifiziert.
Das Ergebnis: 6 Prozent der Teilnehmer an der Studien können als "süchtig" bezeichnet werden, weitere 10 Prozent sind "Internet-Mißbraucher" als Vorstufe zur Abhängigkeit.
Diese Zahlen decken sich größenordnungsmäßig mit dem Ergebnis einer anderen Untersuchung von Dr. Keith Anderson, der College-Studenten in New York und Illinois nach ihrem Surf-Verhalten gefragt hat. Er fand einen Anteil von etwa 10 Prozent Süchtigen unter 1200 Studenten, wobei unter Studenten technischer Studienrichtungen deutlich mehr Internet-Süchtige zu finden waren als unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer.
Die Frage ist nun, warum kommt es zur Internet-Sucht. Ist das Netz so attraktiv oder liegt das Problem in den süchtigen Usern selbst. Die Antwort muß lauten: Das Netz ist attraktiv und wer bereits ohne Internet Probleme mit seiner Lebensgestaltung hatte, unter Einsamkeit, Sinnleere, Depressionen, sozialer Ängstlichkeit oder unbefriedigendem Familienleben litt, läuft erhöhte Gefahr, von der scheinbaren "Grenzenlosigkeit" des Web eingezogen zu werden.
Dr. Kimberly Young vom "Center for On- Line Addiction" in Pittsburgh unterscheidet bereits fünf Subtypen von Cyber-Krankheiten:
Cybersex- Sucht, d.h. zwanghafter Gebrauch der Webseiten für Cybersex und Cyber-Pornographie. |
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Cyberbeziehungs- Sucht. Statt Freundschaften im realen Leben wird die Freizeit mit Freunden in Newsgroups und in Chat-Räumen verbracht. |
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Netz-Zwangsverhalten. Besessen sein von Online-Spielen (MUDs), Online-Shopping oder Online-Handel. |
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Informations-Überladung. Zwanghaftes Surfen im Web oder zwanghaftes Suchen in Datenbanken. |
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Computer- Sucht. |
Laut Dr. Youngs Untersuchungen ist die scheinbare Freiheit, die das Internet seinen Benutzern durch die Möglichkeit der Anonymität bietet, der wesentlichste Faktor, der die Entwicklung von Suchtverhalten begünstigt.
In den USA besuchen derzeit immer mehr Psychologen Seminare zur Therapie der Internetsucht. Kein Wunder: Bei mehr als 80 Millionen Amerikanern mit Internet-Anschluß ist immerhin nach diesen Untersuchungen mit einem Anteil von 6 bis 8 Millionen Süchtigen zu rechnen. Und immer mehr Menschen wollen wieder raus aus dem Netz - und suchen Hilfe in Online-Psychologenpraxen.
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