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Gedächtnis: Erinnerungen an die Kindheit zur Hälfte falsch

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Können Sie sich noch an Ihre Jugendzeit erinnern? So mit 14, 15 - waren Sie in dieser Zeit vielleicht verliebt oder haben Sie heimlich geraucht? Hatten Sie in der Pubertät oft Probleme mit den Eltern?

Gleich, wie gut Sie sich noch an diese Zeit erinnern können - Sie haben eine 50 Prozent-Chance, daß diese Erinnerungen schlicht und einfach falsch sind. Das will zumindest ein Psychiaterteam der Northwestern Universität in Chicago herausgefunden haben. Ihre Studie wurde in der Juni-Ausgabe des Journals der Amerikanischen Akademie für Kinder- und Jugendpsychiatrie veröffentlicht. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, daß ein Erwachsener Ereignisse aus der Jugendzeit richtig erinnert bei 50 Prozent. Sie können also auf die Frage, ob Sie mit 15 verliebt waren, genausogut aufs Geradewohl antworten. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese Antwort richtig ist, ist genauso hoch, als wenn Sie nachdenken und aus der vermeintlich korrekten Erinnerung antworten.

Die Psychiater haben für diese Studie 67 psychische gesunde Männer zweimal zu verschiedenen Themen, wie Familienbeziehungen, Religion, Sexualität, Verhältnis zu den Eltern und allgemeine Aktivitäten interviewt: Das erste Mal im Alter von 14 Jahre und dann noch einmal im Alter von 48 Jahren. Im ersten Interview beschrieben die Teilnehmer an der Studie als Jugendliche ihre Situation, Ereignisse und Ansichten und im zweiten Interview sollten sie sich als Männer im mittleren Alter an die damalige Zeit erinnern. Die Antworten zeigten große Unterschiede zwischen der Erinnerung der Erwachsenen und dem, was sie als Jugendliche über ihr leben berichtet hatten. Selbst aller Wahrscheinlichkeit mit starken Gefühlen besetzte Fragen wie nach der Art von diszilinierungsmaßnahmen der Eltern wurden nicht genauer erinnert als weniger emotionalbesetzte Fragen.

Die Ergebnisse der Studie haben vor allem Bedeutung für Ärzte, Psychologen und Therapeuten, die auf korrekte Lebensdaten ihrer Patienten angewiesen sind. Wenn schon psychisch gesunde Männer sich nicht ausgesprochen akkurat erinnern können, inwieweit kann dann Verlaß auf die angaben von psychisch beeinträchtigten Menschen sein, fragen die Autoren der Studie. Sie empfehlen, grundsätzlich auch andere Informationsquellen zu nutzen, wie Familienmitglieder oder eventuell vorhandene medizinische Unterlagen.

Quelle: Psycport der American Psychological Association mit bezug auf Juni- 2000- Ausgabe des Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry.


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