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Psychologie und Persönlichkeit |
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Mangelhafte Selbstkenntnis: Wir halten uns für besser als wir sind |
Eigentlich sollten wir uns selbst ausgesprochen gut kennen. Es gibt nichts auf der Welt worüber wir soviel Informationen besitzen wie über uns selbst. Trotzdem, psychologische Experimente und Untersuchungen bringen immer wieder die Erkenntnis: Vielen Menschen fällt es leichter, das Verhalten anderer vorherzusagen als ihr eigenes. Die neuesten Forschungsergebnisse zu diesem Thema wurden kürzlich auf dem Kongreß der American Psychological Society in Miami Beach, Florida vorgestellt.
Forscher der Cornell Universität im US-Bundesstaat New York haben Aspekte des moralischen Verhaltens näher unter die Lupe genommen. Ihre Ausgangs-Vermutung, daß eine ausgeprägte Tendenz besteht sich selbst auf moralischer Ebene als besser, großzügiger, fairer und ethischer im Verhalten als andere Menschen einzuschätzen wurde bestätigt.
Nicholas Epley und David Dunning, die beiden Forscher der Cornell Universität, führten zwei Experimente durch: Im ersten fragten sie 251 Psychologie-Studenten ihrer Universität wieviel Narzissen sie bei einem für fünf Wochen später als Spendenaktion angesetzten Narzissenverkauf erwerben werden. Außerdem sollten sie einschätzen wieviel Narzissen ihre Studienkollegen kaufen werden. 83 Prozent der Befragten gab an, sie würden Spendenblumen kaufen, aber nur 43 Prozent haben es tatsächlich getan. Weiters meinten die Studenten über sich selbst, sie würden für zwei US-Dollar Blumen kaufen. Die Spendenbereitschaft der anderen Studenten schätzten sie auf 1,6 US-Dollar ein. Die tatsächliche Pro-Kopf-Spendensumme lag dann bei 1,25 US-Dollar.
Im zweiten Experiment ließen die Forscher 97 Studenten eine "Prison Dilemma"- Aufgabe spielen. Bei solchen Aufgaben geht es um Kooperationsbereitschaft und Vertrauen in andere. Die Aufgaben werden von zwei Partnern unabhängig voneinander gespielt und sind so angelegt, daß beide Partner am meisten profitieren, wenn sie zusammenhalten und einen für den einzelnen mit negativen Konsequenzen bedrohten Weg gemeinsam gehen. Bei Kooperation entfallen nämlich die negativen Konsequenzen. Da aber die Spielpartner nicht wissen wie der jeweils andere sich entscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit höher, daß sie sich gegen die Kooperation entscheiden und für den Weg, der die wenigsten negativen Konsequenzen für Einzelgänger aufweist. Die Studenten sollten vor dem Experiment ihr wahrscheinliches Verhalten einschätzen: 84 Prozent meinten, daß sie kooperieren werden, aber nur 61 Prozent taten das dann tatsächlich.
Epley und Dunning erklären das Verhalten der Studenten auf Basis der Entscheidungstheorien von Kahnemann und Tversky: Demnach gibt es zwei Kategorien von Informationen: Informationen, die wichtig sind für die Einschätzung eines ganz besonderen Falles oder einer bestimmten Person und allgemeine Informationen über das durchschnittliche Verhalten von Menschen in ähnlichen bzw. vergleichbaren Situationen. Für eine möglichst exakte Vorhersage von Verhalten sollten beide Informations-Kategorien berücksichtigt werden. Wenn es um Einschätzung des eigenen Verhaltens geht tendieren wir allerdings dazu die Kategorie der allgemeinen Informationen links liegen zu lassen - selbst dann, wenn uns diese Informationen quasi auf die Nase gebunden werden. So informierten Epley und Dunning in einem Nachfolge-Experiment ihre Testpersonen über das bekannte durchschnittliche Spendenverhalten. Die Studenten reduzierten daraufhin ihre Einschätzung über das vermutliche Spendenverhalten anderer, sich selbst schätzten sie allerdings als genauso großzügig ein wie die erste Studentengruppe, die diese Informationen nicht hatte - und sie lagen damit natürlich weit über ihre tatsächliche Spende.
Quelle: www.psycport.com
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